Josef Rohrhofer

Noch mehr Tilt!

Ein Artikel von Philipp Matzku (für derwaldbauer.at bearbeitet) | 09.05.2022 - 13:28

Es ist bereits der dritte Vollernter, den Josef Rohrhofer, Pöllau bei Hartberg, von dem Forstspezialmaschinenhersteller HSM, Neu-Kupfer/DE, im November 2021 übernommen hat. „Ich bin oft im steilen Gelände mit 60 bis 70 % Neigung unterwegs und brauche eine  Traktionswinde mit 12 t-Zugkraft und einem 500 m-Seil. Das kann mir nur HSM liefern“, erklärt Rohrhofer. Das Vorgängermodell des HSM 405 H3 Steilhangharvesters hat sich der Steirer 2016 angeschafft (sh. Forstzeitung-AIW Heft 08/2016, S 6). „Der Harvester ist im steilen Gelände besonderen Belastungen ausgesetzt, sodass ich bei rund 8000 geleisteten Betriebsstunden jetzt noch eine leistungsfähigere Maschine gekauft habe. Bei dem neueren Modell sind noch innovativere Sonderausstattungen montiert. Aggregat, Kran und Basismaschine sind noch besser aufeinander abgestimmt, als dies bei meiner alten Maschine der Fall war“, betont der Forstunternehmer. 

Die Powermaschine

Der Vorderwagen des H3-Modells wurde komplett überarbeitet und sowohl vorne wie hinten mit einem Bogielift ausgestattet. Der Volvo Penta-Motor mit 340 PS und Stage V ist 25 cm länger als beim Vorgängermodell. Infolgedessen gibt es Platz für vier hydraulische Pumpen, wobei jeder Verbraucher (Aggregat-, Kran-, Fahrantrieb und Seilwinden) eine eigene Pumpe hat sowie einen hydraulisch angetriebenen Wendelüfter.

„Der Kabinentilt – 26° hinten, 11° vorne – wurde verbessert, indem die Kabine um rund 15 cm höher auf dem Fahrwerk aufgebaut wurde, was die Sicht nach vorne deutlich verbessert“, informiert Rohrhofer.

Die 15 t-Traktionsseilwinde

Die Traktionsseilwinde HSW 15B an Rohrhofers Harvester ist seit zwei Jahren auf dem Markt und hat eine maximale Zugkraft von 15 t, eine integrierte Seilspulung und verfügt standardmäßig über ein 16 mm starkes und 530 m langes Stahlseil. Die Hafo-Hilfswinde ist mit dem HSM-Programm zum Ziehen des eigentlichen Traktionsseils ausgestattet. Bei der Aufnahme des Windentilts sind die Zylinder nach oben gerückt und direkt am Harvester und nicht mehr an der Winde montiert. 

Der 10,7 m-Kran Epsilon X270 H setzt auf einem vom HSM selbst konstruierten Hydromotorenschwenkwerk auf. Er hat ein Hubmoment von 270 kNm netto, 350 kNm brutto sowie einen Schwenkbereich von 260°. Der Krantilt beträgt nach vorne 24 und nach hinten 30°. Der Steilhangharvester von Rohrhofer ist der erste Vollernter von HSM mit der aus den Rückezügen bekannten Kranspitzensteuerung, wobei auch der Teleskoparm mitgesteuert wird. „Im Hang überwacht der Sensor die Neigung der Maschine und optimiert darauf das Verhalten des Krans“, so Rohrhofer. „Außerdem besteht die Möglichkeit, während des Fällschnittes mithilfe einer Fußtaste die Teleskopautomatik zu deaktivieren“, hebt er die Vorteile hervor. 

Richtig begeistert ist Rohrhofer von seinem Woody WH60-1-Harvesteraggregat von Konrad Forsttechnik, Preitenegg. Er hat es bei den Kärntnern direkt bestellt, die Montage an den Harvester erfolgte bei HSM in Wolfegg/DE. Vor allem die Durchzugskraft (35 kN, bis zu 4 m/S Vorschubgeschwindigkeit), der Tiltwinkel sowie die zusätzliche Zopfsäge bei dem „extrem ausgereiften Aggregat“, überzeugte den erfahrenen Forstunternehmer. „Ich kann Stämme von 1b bis 4b von der Erstdurchforstung bis zur Endnutzung bei gleichbleibender Qualität schnell aufarbeiten“, versichert Rohrhofer.

Steilhang – ein Nischenmarkt

Josef Rohrhofer arbeitet seit vielen Jahren mit seinem Bruder Gerhard zusammen, der mit seinem Rückezug HSM 208 F – ebenso in Steilhangausführung – die in Falllinie und im Fischgrätenmuster liegenden Stämme zur Forststraße rückt und auf die Polter verteilt. Im Sommer, ebenfalls nach vier bis fünf Jahren, wird Gerhard Rohrhofer seinen Rückezug durch das neue Modell des 208 F von HSM ersetzen.

Im Revier Gössgraben des Mayr-Melnhof-Forstbetriebes haben die beiden Brüder die Vorlichtung für die Naturverjüngung im Wege einer Einzelstammnutzung übernommen. Ab einer Neigung von 55 % setzt Rohrhofer die Traktionsseilwinde ein, ab 40 % ist es abhängig vom Gelände, ob der Einsatz sinnvoll ist. „Ich bin 3 bis 4 €/fm günstiger als mit einer Seilkranbringung – vor allem, weil nicht so viel Personal vonnöten ist. Es wird immer von oben nach unten gearbeitet. „Der Förster markiert die zu entfernenden Bäume, aber die eine oder andere finale Entscheidung – abhängig von der Trassenlegung – fälle ich“, konstatiert Rohrhofer.

Das Sägeholz wird mithilfe der unternehmenseigenen Lkw-Flotte zu Mayr-Melnhof Holz in Leoben – nur wenige hundert Höhenmeter unterhalb des Einsatzortes gelegen – transportiert und dort verarbeitet. Neben Mayr-Melnhof als größter Einzelkunde sind die beiden Forstunternehmer für größere Privat- und Kommunalwaldbetriebe, aber auch für die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) im Einsatz.