Holztransporte Christoph Beer

Lang Holz transportiert

Ein Artikel von Robert Spannlang (bearbeitet für derwaldbauer.at) | 05.10.2021 - 09:50
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V. re.: Albert Feuerstein, Christoph Beer und dessen Sohn Wolfgang vor dem Huttner-Langholzauflieger © R. Spannlang

Langholz muss man mögen“, sagt Christoph Beer und nickt bedeutungsvoll. Der Vorarlberger aus Schwarzenberg mag Langholz, weil er es zu transportieren weiß – mit einem Auflieger, der dieses Thema offenbar von jedem Blickwinkel überzeugend meistert. „Ich habe zwei Jahre überlegt, was genau ich machen will und was ich dafür brauche. Dann habe ich bei Hüttner bestellt und 350.000 € angewiesen. Jetzt habe ich einen Hüttner-Auflieger – über 6,5 m teleskopierbar mit vier Rungenpaaren und einem Epsilon 290 Z HLPS-Kran – seit einem Jahr und würde ihn gegen nichts anderes eintauschen wollen.“

Einleuchtendes Geschäftsmodell
An der Autobahn zwischen Dornbirn und Bregenz hat Albert Feuerstein seinen Holzplatz eingerichtet, transporttechnisch und strategisch günstig im Dreiländereck Deutschland, Schweiz und Vorarlberg. Von dort bringt sein langjähriger Partner Christoph Beer auch das Rundholz – sowohl Nadel-, als auch Laubholz, ebenso Kurz- und auch als Langholz. In letzterem Fall ist die Möglichkeit zur Wertschöpfung durch fachgerechtes „Filetieren“ des Stammes in verschiedene Sortimente – vom Furnier- bis zum Energieholz – noch größer. Und die Qualitätsansprache von Rundholz ist das ureigenste Metier von Albert Feuerstein. Dafür hat er früher im Furnierholzhandel ausreichend Erfahrung sammeln können. Christoph Beer kennt er auch schon aus dieser Zeit. „Es gibt nicht mehr viele, die noch Langholz führen können: In Vorarlberg sind wir nur noch zu dritt“, merkt dieser an. So sind die beiden tatsächlich kongeniale Partner: Der eine kann quasi jegliches Holz in allen Längen aus drei verschiedenen Märkten antransportieren, der andere versteht sich darauf, durch optimale Ausformung aus diesem Holz maximalen Wert zu generieren. „Die Kunden wiederum wissen: Am Holzplatz an der Autobahn zwischen Dornbirn und Bregenz bekomme ich alles – und das relativ prompt. Sie stellen quasi im Vorbeifahren fest, was hier gerade liegt,“ lacht der Holzhändler.

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Mit dem Langholztransport im Wald unterwegs: „Nichts für schwache Nerven.“ © Christoph Beer

Von Kopf bis Fuß auf Langholz eingestellt
Christoph Beer scheint nichts aus der Ruhe zu bringen und er scheint genau zu wissen, was er will. Das sind gute Voraussetzungen für seinen Job: Beim Langholztransport brauche man Vertrauen in das eigene Können und starke Nerven, „sonst ist am Lkw jeden Tag etwas anderes hin.“ Da gilt es, mit der 27 m-Fuhre Kurven zu meistern und Gefälle zu überwinden – im Winter ebenso wie im Sommer. Auch, wenn sie Huttner im Programm habe, hat Christoph Beer sich gegen die Allradvariante entschieden. Er müsse ja nicht in die hintersten Ecken des Waldes fahren. „Und die wenigen Male, wo sich ein Allrad empfehlen würde, machen das Mehrgewicht des Aufliegers und den damit verbundenen Mehrverbrauch nicht wett. Immerhin sind beide Achsen der Zugmaschine angetrieben“, betont der erfahrene Lkw-Fahrer. Bei Leerfahrten könne er die hinterste Achse ausklinken und anheben – und wiederum Sprit sparen. Dieses Ausklinken ließe sich bequem von der Fahrerkabine aus erledigen – „und das wiederum ist eine Spezialität meines Volvo“, lacht der Vorarlberger.
Um den Auflieger auszufahren, schiebt die Zugmaschine bei angezogener Aufliegerhinterachse langsam vor. Im umgekehrten Fall fasst er mit dem Krangreifer nach einem ausklappbaren Trapez auf der Ladefläche und zieht den hinteren Teil so wieder ein. „So kann ich Bloche zwischen 2 und 20 m Länge transportieren und bin damit voll flexibel“, erklärt der Vorarlberger den Sinn der Übung.

Ausgefeilte Technik
Sein Langholz-Auflieger sei mechanisch so ausgestattet, dass er in jeder Situation des Arbeitsalltags verlässlich und stabil funktioniere, führt er weiter aus. Ein Beispiel dafür sei die patentierte hydraulische Verdrängungslenkung, für deren ausgefeilte Funktionsweise Huttner in der Branche bekannt ist. „Da gibt es in der Kurve auch unter Maximallast kein Schieben und Zwicken, das kriegt kein anderer Hersteller so hin. Manche elektronisch geregelten Systeme sind weniger verlässlich – ich habe schon von Unfällen aus diesem Grund gehört“, weiß Christoph Beer.
Eine weitere technische Finesse ist die ferngesteuerte Hinterachse in Kombination mit einer Fahrkamera samt Sprechmikrofon am Heck. „Manchmal sind die Radien so eng, da kann dann nur ein Zweiter hinten dabeistehen und mit der Fernsteuerung mitlenken. Das ist dann oft Zentimeterarbeit“, berichtet Beer.

Holz für alle Fälle
Sein Kompagnon Albert Feuerstein hat vor fünf Jahren ein Hackschnitzellagerhalle errichten lassen, die auch einen riesigen Hacker beherbergt. „Stromerzeuger aus Biomasse brauchen große Körnungen mit definierter Holzfeuchte – und das oft kurzfristig und in großen Mengen. Die kann ich jetzt beliefern“, unterstreicht Albert Feuerstein. Gerade italienische Kunden wollen oft das Holz besichtigen, bevor sie bestellen, verrät er. Und er ergänzt: „Vertrauensbildende Maßnahmen sind die Basis für eine langjährige Kundenbeziehung – und davon habe ich zum Glück viele."