Forstunternehmer Florian Illmaier

Der Hangbändiger

Ein Artikel von Robert Spannlang (bearbeitet für derwaldbauer.at) | 22.04.2021 - 12:12
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Alles drin, alles dran: Florian Illmaier auf seinem Steilhang-Forwarder © R. Spannlang

Warum meine Wahl auf einen HSM fiel? Ganz klar: Wegen seiner Steilhangqualitäten! Eine Motorleistung von 340 PS, eine Schubleistung von 25 t, einen Krantilt von 34°, eine in die Krankonsole verlegte Traktionswinde mit Wegemodus bis 7 km/h, einen 30° Sitztilt – all diese Dinge kriegst du bei anderen Herstellern oft nicht mal für Geld und gute Worte“, lacht Florian Illmaier und rückt sich seine Kappe zurecht. Ja, er sei ein Einzelunternehmer und wolle auch nur einen Forwarder betreiben – und das auch nur höchstselbst. „Dafür habe ich mir mein Gerät auch sehr genau ausgesucht. Das muss dann einfach für alle Gegebenheiten passen“, so der Steirer aus Turnau.

Kaum ein Kundenwunsch bleibt unerfüllt
Getreu dem Firmennamen – Hohenloher Spezialmaschinen – ist HSM mit Sitz im deutschen Neu-Kupfer dafür bekannt, dem Kunden „seine“ Forstmaschine quasi maßzuschneidern – soweit das eben technisch und wirtschaftlich möglich ist. Dabei können die Baden Württemberger nach über 40 Jahren Erfahrung im Maschinenbau auf so manche spezielle technische Lösung zurückgreifen, die es in dieser Form wohl nur bei HSM gibt: die in kleinen Zugleistungsabstufungen feinjustierbare Traktionswinde etwa. Oder die „Druckluftdusche“ zur Freihaltung der Kabinenscheibe von statisch geladenem Holzstaub. „HSM sind meines Wissens nach auch die Einzigen, die standardmäßig Filterpumpen verbauen. Das Getriebeöl sieht daher auch noch nach 1000 Arbeitsstunden aus wie neu“, schwärmt der Forstunternehmer.

Die Steilhangausrüstung meines HSM kriegst du bei anderen Herstellern oft nicht mal für Geld und gute Worte.

Florian Illmaier, Forstunternehmer
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Angestellte Bogieachsen beim Einfahren in den Hang © R. Spannlang

Traktion – oder Gravitation?
Die schwerpunkttechnisch optimal platzierte 500 m-Traktionswinde von HSM mit 12 t Zugkraft ist wohl eine entscheidende Ausstattung für die Steilhangmaschine und ein wesentlich Grund, warum sich Florian Illmaier getraut, mit einem bei etwa 17 fm vollbeladenen Rungenkorb seines Forwarders in einen Steilhang abzutauchen.
Mit viermal separat anzusteuernden Bogieachsen kann der Fahrer zudem beim Einlenken aus dem Hang auf die Forststraße die ohnehin schon beachtliche Bodenfreiheit noch einmal erhöhen. „Damit vermeide ich auch Verschmutzungen oder gar Beschädigungen des hinteren Seileinlaufs und erhöhe die Böschungswinkel vorne und hinten“, gibt Florian Illmaier zu bedenken. Als sich bei diesem „Landemanöver“ auf die Forststraße Vorder- und Hinterwagen seines leuchtend gelben 208F abenteuerlich zueinander verdrehen, schwenkt er zum Lastausgleich seinen 10 m-Kran in die Kurve. Der Kraftakt hat in seiner Choreographie schon beinahe die Anmutung eines Leichtathleten. Kurze Zeit später benötigt der Steirer auch die ganze Länge seines Epsilon S 110 F-Kranes mit seinem Doppelteleskop, um das aus dem Hang geborgene Rundholz auf der hohen Böschung von der Forststraße aus behutsam auf Querhölzern abzulegen.

Steil und/oder schmal
Vorsichtig wie ein Kletterer in einer Felswand seilt sich Florian Illmaier mit seiner HSM 208F 14 t Steilhang ab. Immer wieder hält er an, während der Cranab-Greifer seines Epsilon-Krans einzelne oder mehrere Bloche umspannt, sie gelegentlich senkrecht stellt und dabei kurz wieder freigibt, um die Stirnflächen am Waldboden sauber aufeinander auszurichten. Diese Stirnflächen legt er dann direkt an das Stirngitter des Rungenkorbs. „Ruckartige Bewegungen von Blochen, die sich bei der Talfahrt lösen, weil sie einen Abstand zum Gitter hatten, kann ich nicht gebrauchen“, erklärt er. Im Unterhang, kurz vor der Forststraße, ist sein Rungenkorb schon so gut gefüllt, dass er sein Stirngitter nochmal hydraulisch ausfährt und damit um fast ein Drittel vergrößert, um auch die letzten Stämme dieser Fuhre ordentlich daran abstützen zu können. Auch das sei Teil seiner speziellen „Steilhangausstattung“.

Sorgfältig ausgewählt
Eine Haselsteiner Hilfswinde ist das Mittel der Wahl, um das lange Traktionsseil ohne schweißtreibendes Tragen auf den Hang zu bringen. „Die Funksteuerung der ,Hafo‘ ist optimal in die HSM-Fernbedienung integriert und bequem zu bedienen“, weiß Florian Illmaier.
Mit dem Cranab-Krangreifer klappt er die Drehrungen nach Bedarf aus oder ein – je nachdem, ob es auf maximales Fassungsvermögen des Rungenkorbs oder eine möglichst geringe Fahrzeugbreite ankommt, um noch auf schmalen Rückegassen arbeiten zu können. „Wie gesagt: Ich muss möglichst alle Aufträge mit ein und derselben Maschine abdecken können. Größere Unternehmer haben für unterschiedliche Jobs verschieden Maschinen“, betont Florian Illmaier noch einmal, und fügt hinzu: „Selbst mit 700 mm-Bereifung und aufgezogenen Bändern bleibe ich unter 3 m Fahrzeugbreite und darf damit Überstellungen auf öffentlichen Straßen ohne Begleitfahrzeug durchführen.“

Rund um den Hochschwab
Mit seiner gründlichen und sorgfältigen Arbeitsweise hat sich der Steirer einen ansehnlichen Kundenstamm im Gebiet rund um das Hochschwab-Bergmassiv aufgebaut. „Zumeist melden sich Unternehmerkollegen und laden mich zur Mitarbeit ein“, merkt er an. Üblicherweise plant Florian Illmaier seine Arbeit ein bis zwei Monate im Voraus. Derzeit sei er gut gebucht. Aber auch bei ihm  machte sich die Corona-Krise im Auftragseingang negativ bemerkbar. „Vergangenes Jahr war zum Vergessen. Da sind wir alle lange Zeit überhaupt gestanden.“ Er ist froh, nun wieder einen ordentlichen „Polster“ an Aufträgen zu haben.
Nach einem kurzen Porträtfoto, für das er sich auf den Olofsfors-Bänder seines Forwarders postiert hat, schwingt er sich wieder in seine Fahrerkabine und lässt den Volvo-Pentax-Motor aufheulen. Bald ist er mit seinem gelbfarbenen HSM wieder am Steilhang – und ganz in seinem Element