Forstunternehmer Hettegger

Präzisionseingriff

Ein Artikel von Robert Spannlang | 11.01.2021 - 15:44
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Devot weicht die T-Winch dem herannahenden Forwarder aus: Sie wird nämlich von dort ferngesteuert und kann auch übers GSM-Netz ferngestartet werden. © R. Spannlang

Wir sind halt ein echter Familienbetrieb“, meint Hannes Hettegger, der seit 2015 im Forstunternehmen seines Vaters Peter den Co-Geschäftsführer macht. Denn die beiden weiteren jungen Fahrer im Team gehörten quasi auch schon zur Familie: „Die sind mit zwei meiner Cousinen liiert“, ergänzt er lächelnd. Was die Hettegger-Piloten darüber hinaus noch eint: Jeder von ihnen fährt „einen Roten“. „Gerade bei den Harvestern ist für mich Komatsu alternativlos: 360°-Aktionsradius, freie Sicht nach vorne, feine Prozessorköpfe, die hohe Standfestigkeit von acht Rädern, dabei vergleichsweise geringes Gewicht – und mit der Betreuung aus Türnitz bin ich eigentlich auch sehr zufrieden“, gibt der bald 30-jährige Oberösterreicher offen zu.

Ein Kundenstamm von Stammkunden
Seit der Gründung des Unternehmens durch den Vater 1997 haben sich die Innviertler einen Kundenstamm aufgebaut, dessen Bestände sie nun teilweise schon seit vielen Jahren betreuen und entsprechend gut kennen: einige Stiftswälder, die Bestände von Mayr-Melnhof Salzburg und auch private Forstbetriebe. Da habe sich schon ein richtiges Vertrauensverhältnis gebildet. „Eine Auszeige ist da nicht mehr nötig“, meint Hannes Hettegger mit einem Augenzwinkern.

Den steilen Hang am Rande eines „Eschenlochs“ klettert der 2020 ausgelieferte Komatsu 845-Forwarder am Seil der T-Winch auch mit vollem Rungenkorb mühelos hoch. Das letzte Stück weicht die grüne Raupenwinde dem herannahenden Forwarder zum Abladen auf der Forststraße aus. Der Forwarderpilot kann beide Geräte gleichzeitig bewegen: Die im Forwardercockpit auf einem Fixplatz abgelegte Raupenfernsteuerung macht‘s möglich. Inzwischen verlangten manche Kunden sogar schon nach dem T-Winch-Einsatz – wegen der sichtbar geringeren Spurrillen auf den Rückegassen. Dafür werde durchwegs auch ein Regie-Preis auf Stundenbasis in Kauf genommen, weiß Hannes Hettegger aus Erfahrung.

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Die letzte Zwillingsrunge kann gegen eine Klemmbank getauscht werden.

Leichter Hochleister
„Unsere Forwarder sollten 18 t Betriebsgewicht nicht übersteigen. Daher verzichten wir auf das Comfort Ride-Dämpfungssystem, das immerhin 2 t Mehrgewicht verursacht, und ordern lieber den besten erhältlichen Fahrersitz mit Luftdämpfung“, erklärt der junge Forstunternehmer. Nach dem Abladevorgang lässt er die T-Winch mit abgesenktem Frontschild die Forststraße noch einmal „glattziehen“. „Mit Bebänderung dürften die Erntemaschinen generell die Forststraßen nur so weit wie unbedingt nötig befahren“, ergänzt er. Ein intelligentes Motormanagement ermöglicht bei den neueren Komatsu-Forwardermodellen eine hohe Motorauslastung bei geringer Drehzahl und eine hohe Zugkraft bei geringem Verbrauch.
Reichen denn 4 Zylinder beim Forwarder im Steilhang? „Ja, im Tandem mit einer T-Winch mit ihrer 10 t-Winde schon“, sagt der junge Forstunternehmer mit Bestimmtheit. Die Vorteile des kleineren Motors lägen auf der Hand: kürzere Motorhaube, dadurch steilerer Böschungswinkel vorne, höhere Wendigkeit, weniger Gewicht und Verbrauch. So sei der Komatsu-Forwarder flexibel genug für die vielseitigen Aufgaben im Hettegger-Portfolio.

Von Snake bis Generation 2020
Das aktuelle Modell des Harvesters 931XC, das Hannes Hettegger fährt, hat er erst im vergangenen Juli ausgeliefert bekommen. Neben den schon erwähnten Vorzügen „roter Harvester“ besteche dieses Modell der Generation 2020 mit vom Boden leicht erreichbaren Wartungspunkten, mit einem modernen Cockpitlayout sowie mit einer weiter verbesserten Hydraulikleistung. Dank der Druck- und Durchflussoptimierung ließe es sich noch schneller arbeiten als mit dem Vorgänger. „Ich bin noch nie an die Grenzen der Kraftreserven des neuen 931XC gestoßen – auch bei gleichzeitigem Einsatz von  Schwenkwerk, Prozessorkopf und Fahrwerk“, erklärt der Komatsu-Pilot. Auch mit dem Aggregat C144 mit 75 cm-Öffnung sei er voll zufrieden. „Auf steilem Gelände mit sensiblem Flysch-Untergrund hänge ich den Harvester an die T-Winch und ,schieße‘ die Stämme mit den Vorschubwalzen den Hang hinauf, damit der Forwarder nicht auch noch ganz hinunterfahren muss, um sie zu holen.“ Er nehme sich auch die Zeit, durch bewusstes Platzieren von Blochen Naturverjüngung während der Erntearbeit zu schützen. „Ja, ich habe meine Methoden, bestandesschonend zu arbeiten. Meine Kunden wissen das zu schätzen“, lacht der Innviertler.

Auch ein Snake-Harvester sei als „Springer“ noch gelegentlich im Einsatz. Mit seinem Raupenfahrwerk sei dieser Harvester mustergültig in Sachen Bodendruck und ein Bollwerk an Standfestigkeit. Die Snake-Mankos: aufwendige Überstellung, geringe Fahrgeschwindigkeit – „und auch an den Fahrkomfort muss man sich erst gewöhnen“, so Hannes Hettegger.

Kompakter Durchforstungsharvester
In einem zweiten Ernte-Tandem ist sein Vater Peter mit einem 8-Rad-901XC unterwegs. „Das ist noch kein 2020-Modell, mit einem 11 m-­Kran und einem C93-Kopf mit 55 cm-Öffnung jedoch eine klassische Durchforstungsmaschine. Sie ist ebenso wunderbar standfest, um fast 2 t leichter, hat aber um den einen Meter mehr Kranreichweite – das macht in der Praxis oft einen sehr großen Unterschied.

„Unser Ziel ist: saubere Arbeit, zufriedene Kunden und der Anspruch, jeder Aufgabe im Wald gewachsen zu sein – von motormanuell gefällten Einzelbäumen über Durchforstung bis zur flächigen Räumung – ob steil oder flach, Kurz- oder Langholz. Und immer schonend“, betont Hannes Hettegger lächelnd.