Akkupower in der Holzernte

Ein Artikel von DI Dr. Christoph Huber, FAST Traunkirchen | 09.09.2020 - 15:22

Akkufreischneider und -motorsägen sind seit nunmehr über zehn Jahren am Markt erhältlich. Vor allem in der Baumpflege sowie im Bau- und Zimmereigewerbe haben sich Akkumotorsägen bereits vielfach bewährt. Aber auch in der forstlichen Jungwuchspflege setzt man immer öfters Akkugeräte ein. Inwiefern Akkumotorsägen für forstliche Tätigkeiten verwendet werden können, wurde am Waldcampus Österreich an der Forstlichen Ausbildungsstätte Traunkirchen in einem umfassenden Praxistest untersucht.

So wurde getestet

Für die Tests wurden die Profiakkusägen der beiden in Österreich marktführenden Hersteller Husqvarna (Modell 536 LiXP) und Stihl (Modell MSA 200-C) herangezogen. Um die Leistung der Sägen besser einschätzen zu können, wurden die Akkusägen mit herkömmlichen Benzinmotorsägen unterschiedlicher Leistungsklassen verglichen. Eine große Herausforderung bestand darin, möglichst vergleichbare Testbedingungen herzustellen. Aus diesem Grund wurden für die Vergleichstests eigens präparierte Stämme – ähnlich wie sie bei forstlichen Wettkämpfen verwendet werden – herangezogen. In den beiden Disziplinen „Trennschnitte" und „Asten" wurden nicht nur Leistungsdaten erhoben, auch gesundheitliche Aspekte, wie die Lärm- und Vibrationsbelastung, wurden näher beleuchtet.

Hohe Schnittleistung

Für die Beurteilung der Schnittleistung der Sägen wurden die Testpersonen aufgefordert, möglichst rasch eine gewisse Anzahl an Stammscheiben zu schneiden. Bereits in dieser Disziplin zeigte sich das hohe Leistungspotenzial der Akkusägen. Mit einer Schnittleistung von 25 bis 35 cm2/Sek. konnten die Akkumotorsägen durchaus mit den beiden schwächeren Benzinmotorsägen – der Husqvarna 435 und der Stihl 211 – mithalten. Einer etwa 4 PS starken Profimotorsäge, wie der Husqvarna 550, können sie jedoch hinsichtlich der Schnittleistung nicht das Wasser reichen. Die hohe Schnittgeschwindigkeit der beiden Akkumotorsägen ist vor allem auf die vergleichsweise schmalen Ketten zurückzuführen. Husqvarna stattet die Akkumotorsäge serienmäßig mit einer 3/8“(mini) 1,1 mm-Kette aus. Stihl setzt bei der MSA 200 auf eine noch schmalere Sägekette (1/4“P 1,1 mm). Dieser Unterschied macht sich auch bei der Schnittleistung der beiden akkubetriebenen Sägen bemerkbar. Während die Husqvarna 536 eine Schnittleistung von 26 cm2/Sek. aufweist, erreicht die Stihl MSA 200 mit der deutlich schmaleren Sägekette eine um ca. 25 % höhere Schnittgeschwindigkeit.

Gehörschutz ist Pflicht

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© C. Huber Prepperka

In einem nächsten Schritt wurde die Lärmbelastung der Motorsägen näher analysiert. Hierzu wurde der Schalldruck direkt am rechten Ohr der Bedienpersonen mithilfe eines hochauflösenden Schallpegelmessgerätes ermittelt. Auch in diesem Test schnitten die beiden Akkusägen erwartungsgemäß gut ab. Beide Sägen erreichten einen Schalldruckpegel zwischen 89 und 92 dB(A) und waren somit deutlich leiser als die getesteten Benzinsägen. Nichtsdestotrotz überschreiten sie dennoch den Expositionsgrenzwert von 85 dB(A). Das Tragen eines Gehörschutzes ist somit auch bei der Arbeit mit Akkumotorsägen vorgeschrieben. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Akkumotorsäge von Husqvarna über eine Energiesparfunktion – „SavE" genannt – verfügt. Bei Aktivierung dieses Modus wird die Kettengeschwindigkeit gedrosselt, wodurch nicht nur der Energieverbrauch reduziert, sondern auch die Lärmemission verringert wird. 

In unseren Tests erreichten wir im Energiesparmodus Schalldruckpegel zwischen 84 und 86 dB(A). Ein Arbeiten ohne Gehörschutz ist somit – je nach Schnittmaterial – gerade noch zulässig.

Geringe Vibrationen

Bei der Arbeit mit der Motorsäge treten oft hohe Vibrationsbelastungen auf, welche nicht selten zu chronischen Gesundheitsschädigungen (Gelenkschmerzen, Weißfingerkrankheit etc.) führen. Um die Vibrationsbelastung zu reduzieren, verfügen moderne Benzinmotorsägen über vibrationsgedämpfte Handgriffe.

Bemerkenswerterweise findet man diese bei Akkumotorsägen nicht. Umso mehr erstaunt es, dass die getesteten Akkumotorsägen geringere Vibrationswerte aufweisen als herkömmliche Benzinmotorsägen. Dieses auf den ersten Blick verblüffende Ergebnis lässt sich großteils auf die unterschiedliche Antriebstechnologie (Elektromotor vs. Verbrennungsmotor) zurückführen: Hauptursache für die hohe Vibrationsbelastung von Benzinmotorsägen ist der Verbrennungsmotor, welcher nicht nur während des Schneidvorganges, sondern auch im Leerlauf starke Vibrationen verursacht. Im Gegensatz dazu weisen Akkumotorsägen im Leerlauf keine Vibrationen auf. Auch während des Schneidvorganges arbeitet der Elektromotor ruhiger als der 2-Takt-Verbrennungsmotor. Ein Großteil der Vibrationen wird durch die Kette während des Schneidvorganges generiert. 

Akkulaufzeit temperaturabhängig

Ein weiteres wesentliches Entscheidungskriterium für die Anschaffung einer Akkumotorsäge stellt die Akkulaufzeit dar. Sowohl Husqvarna als auch Stihl stellen für die Akkumotorsägen eine große Vielfalt an möglichen Akkus zur Verfügung, welche eine Kapazität zwischen 3,0 bis 9,5 Ah aufweisen. 

Erfahrungen der Forstlichen Ausbildungsstätte haben gezeigt, dass die Kapazität der jeweils größten Einsteckakkus (Husqvarna BLi300; Stihl AP300S) für das Fällen und Aufarbeiten von etwa 2-3 Fichten mit einem Brusthöhendurchmesser von ca. 25 cm ausreicht. Alternativ können die Akkumotorsägen auch mit Rucksackakkus betrieben werden. Diese versorgen die Akkumotorsäge mit genügend Energie, um durchgehend mehrere Stunden arbeiten zu können. Es ist lediglich auf ein rechtzeitiges Nachfüllen des Kettenöltanks zu achten. 

Vor allem im Winter ist jedoch Vorsicht geboten: Bei tiefen Umgebungstemperaturen sinkt die Akkulaufzeit merklich. Im schlimmsten Fall kann es sogar passieren, dass sich die Akkumotorsäge bei Kälte nicht mehr zuverlässig starten lässt.