Coole Säge in Formel 1-Manier

Ein Artikel von Andreas Fischer | 13.06.2019 - 10:33

Die heutigen Kraftpakete müssen im Profieinsatz zuverlässig und gut manövrierbar sein. Hierfür werden in den Kettensägen Hightech-Produkte ohne unnötigen Ballast auf engstem Raum verbaut. Der oft hochtourig, arbeitende Zweitaktmotor gibt bei den ihm zugemuteten Belastungen mitunter Temperaturen ab, die höher sind als in Formel 1-Boliden im Rennbetrieb. Um die Hitzeableitung von der Säge an die Umgebung zu beschleunigen, wurden die vielfach beanspruchten Bauteile in der neuen Mark II-Säge konstruktiv verbessert und der Sägeaufbau wurde nochmals verstärkt. Die Sägen sind damit nur wenig schwerer geworden, dafür verspricht der Hersteller eine höhere Lebensdauer. Als Treibstoff wurde für den mehrmonatigen Profitest das XP 2-Taktgemisch und für die Kettenschmierung das biologische Kettenöl, beide von Husqvarna, zur Verfügung gestellt.

Bessere Kühlung, Steuerung und Befestigung

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Die ausgeklügelte Kombination von Schnittleistung und Manövrierbarkeit geht auf einen Entwicklungsprozess in Zusammenarbeit mit der Praxis zurück © Andreas Fischer

Durch ein längeres Kurbelgehäuse und den damit gewonnenen Mehrabstand des Zylinders zum Hitzeschild gibt es mehr Platz für Kühlrippen. Letztere sind nun auch länger und an der Oberseite angeordnet. Besonders geformte Leitbleche unterstützen bei der Luftkühlung. Ein großflächigerer Profi-Luftfilter ist fest mit dem Vergaser zu verschrauben. Die neue, weich-gummierte Dichtung schließt hier 100%ig ab. Falschluft oder gar Schmutz können somit nicht angesaugt werden.  Das isolierende Hitzeschild- und Leitblechsystem schützt heikle, zum Teil auch elektronikunterstützte Bestandteile. Es schirmt besonders den Bereich des Zylinders ab. So wird auch die Vergaserkammer kühler gehalten.

Augenscheinlich wurde das Kurbelgehäuse vorne weiter verstärkt und das ganze Auspuffsystem verbessert. Der Abstand vom schallgedämpften Auspuff zum Kurbelgehäuse ist im Vergleich zum Vorgängermodell vergrößert worden, damit ist dieser nicht mehr so hohen Temperaturen ausgesetzt. Zur kraftschlüssigen Fixierung sind zwei isolierte, besonders widerstandsfähige Wärmedehnhülsen zusätzlich am Auspuff angebracht. Die nach dem Vorbild eines 4-Taktmotors gefertigte Zylinderfußdichtung wirkt äußerst hitzebeständig und wurde für die kompakte Abdichtung an der Innenseite mit einer Gummilippe versehen. In der Nähe davon fußt (nach dem Vorbild der 572 XP-Säge!) ein neuer, durchgängiger, breiter Luftkanal. Dieser fördert die Temperaturableitung und Kühlung damit auch im vorderen Bereich der Säge. Der Luftstrom wird im Betrieb von der Schwungseite auf die Kupplungsseite geleitet. Dort wird dieser in Richtung Ölpumpe bzw. Kurbelwelle aufgeteilt. Das eigens beschichtete Kurbelgehäuse ist aus einer Alu-Magnesiumlegierung gefertigt.

Bei der Bremsbügelbefestigung an der Schwungseite wurde innen ein zusätzlicher Steg als bruchsichere Verbindung in das Kurbelgehäuse integriert. Alle präzisionsgefertigten Gewindeschrauben können metrisch justiert werden. Selbstschneidende Verbindungen hatten früher das Problem, dass sie sich mit der Zeit (Überbeanspruchung) verzogen haben bzw. nicht mehr exakt festigen ließen. Die horizontalen und vertikalen Fäll-Markierungen sind in der Motorhaube verschleißresistent eingearbeitet, somit gibt es auch kein Ausbleichen aufgemalter Farblinien mehr.

Stark, schnell und präzise

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Der neue Luftfilter verfügt über eine zusätzliche Gummi-Dichtlippe, damit kann selbst bei starken Vibrationen keine Falschluft mehr angesaugt werden © Andreas Fischer

Die Motorleistung mit 3,0 kW (plus 0,2 kW zur Vorgängerserie) war beim Sägetest einsame Spitze. Das Markenzeichen der 50,1 ccm³-Säge ist das „aggressive“ Drehmoment bei rasanter Motorbeschleunigung. Positiv anzumerken ist auch die verbesserte Startvorrichtung. Diese ist mit neuen Starterklinken am Schwungrad und einer Seilrolle mit 2-fach-Einrastmöglichkeit ausgestattet. Das zentrifugale Luftreinigungssystem (Air Injektion) sorgt für hohe Luftzirkulation und ermöglichte auch beim Aufarbeiten mit hoher Staubbelastung (Totholz etc.) lange Einsätze zwischen den regelmäßigen Filterreinigungen. 

AutoTune 2.5 arbeitet im Vergleich zum Vorgängersystem schneller und umfassender. Die Motorsteuerung kompensiert feinfühlig Temperaturschwankungen im Sommer- und Winterbetrieb und auch unbemerkt  Höhen- und Luftfeuchtigkeitsunterschiede. Die präzise Optimal-Einstellung der Säge erfolgt schon im Teillastbereich. Für das hitzeanfällige Zündmodul wurde mehr Platz (Luftraum) geschaffen. Die Kabel der Zündung sind außen in metallischen Führungen gut geschützt und zugänglich verlegt. Bekannte Startschwierigkeiten beim Vorgängermodell, die den Nutzer nach längeren Einsätzen noch zur Weißglut bringen konnten, traten beim Test nicht auf. Auch der Benzinschlauch ist weiter abseits der Hotspots verlegt worden, sodass es zu keinem Überdruck in der Leitung („Absaufen“) kommen kann. Auffällig ist, dass die Säge über kein T-Kompressionsventil mehr verfügt.  Die Funktion zur Starthilfe wurde bei dieser Serie in der Praxis kaum verwendet. Die zusätzliche Öffnung in den Verbrennungsraum hatte auch ihre Schwachstellen (z.B. Ansaugen von Falschluft, Verharzungsgefahr etc.). Der einfach einstellbare Ölpumpenantrieb ist mit weiteren Mitnehmerrasten ausgestattet worden. Das sorgt für noch bessere Kettenschmierung, vorausgesetzt, die Wartung stimmt.

Optimiert für Fällen, Entasten oder Trennschnitte

Der Sägekörper ist gut ausbalanciert, die ergonomischen Griffe lassen die Säge in jeder Stellung gut manövrieren. Das gibt sicheren Halt und erleichtert den Umgang und die Bedienung in jeder erdenklichen Situation. Effektive Dämpfungselemente (LowVib) absorbieren Vibrationen und schonen Arme und Hände. 

Mit Kettengeschwindigkeiten bis 26,1 m/s sorgte die SP 33G X-Cut (1,3 mm) auf der X-Force-Schiene (38 cm) ohne Schmierloch beim Test für tolle Schnittergebnisse und ein hohes Maß an Zufriedenheit. Der Hersteller kündigte für die ausgehändigte Sägenkombination bereits im Vorfeld eine Leistungssteigerung bis zu 15% an. Festsitzende Schienenmuttern bannten beim Kettenwechseln die Gefahr, dass die Befestigungsschrauben in der Hitze des Gefechts verloren gingen. Die früher noch bündig versenkten und somit Schmutz anfälligen Tankdeckel sind einfach aufklapp- und drehbar. Erstmals ist auch der Öltankdeckel gleich groß wie der vom Treibstoff, die Deckel springen sogar etwas vor. Das Tanken ist damit sehr einfach und geht schnell von der Hand.

Technische Daten Husqvarna 550 XP G Mark II
Motor

Hubraum: 50,1 cm³

Leerlaufdrehzahl: 2800 U/min

Max. Drehmoment: 3,15 Nm (7.800 U/min)

Höchstgeschwindigkeit: 10.200 U/min

Leistung: 3,0 kW/4,0 PS bei 10.200 U/min

Zündanlage

Zündkerze: NGK CMR6H

Elektrodenabstand: 0,5 mm

Kraftstoff- und Schmiersystem

Füllmenge Kraftstofftank: 0,53 Liter (530 cm³)

Husqvarna 2-Takt oder äquivalent 50:1 

Kraftstoffverbrauch (absolut; spezifisch): 1,30 kg/h; 432 g/kWh

Leistung der Ölpumpe bei 10.200 U/min: bis 22 ml/min

Einstellbarer Durchfluss, kein Durchfluss im Leerlauf 

Öltank, Volumen: 0,32 Liter (320 cm³)

Ölpumpe: einstellbar

Gewicht
Motorsäge ohne Führungsschiene und Kette mit leeren Tanks: 5,3 kg
Geräuschemissionen

Gemessene Schallleistung: 115 dB(A)

Garantierte Schallleistung: 117 Lwa dB(A)

Lautstärke
Äquivalenter Schalldruckwert am Ohr des Bedieners: 106,1 dB(A)
Äquivalente Vibrationspegel, a hweq

Vorderer Handgriff: 4,4 m/s2

Hinterer Handgriff: 4,1 m/s2

Sägekette X-CUT SPS33G Halbmeißel und Schiene

Befestigung: verlustsichere Schienenmutter

Empfohlene Schienenlängen: 30 bis 50 cm

Effektive Schienenlänge: 38 bis 46 cm

Teilung: .325 Zoll

Treibgliedstärke: 1,3 mm

Antriebsradtyp/Anzahl Zähne: Rim/7

Kettengeschwindigkeit bei 133 % der 

maximalen Motorleistung: 26,1 m/s

Testergebnisse & Beurteilungen Husqvarana 550 XP G Mark II (mit Griffheizung)
 
Geprüft mit 38 cm-Sägeschiene (Halbmeißelsägekette) BEWERTUNG
Eignung
Motorkettensäge: punktet auch im Leistungsbereich über 2,5 kW, empfehlenswert für den professionellen Einsatz (Entasten, Trennschnitte, Fällen) +
Leistungsgewicht

mit Schneidegarnitur: 2,0 kg/KW

ohne Schneidegarnitur: 1,8 kg/KW


o. B.
Bedienelemente
gut erreichbar und einfach zu bedienen, Griffheizung +
Startvorgang 
Kein Dekompressionsventil, manuelle Kraftstoffpumpe erleichtert den Startvorgang, ein kombinierter Schalter für Motor An-Aus und Choke +
Geräuschentwicklung (am Ohr Bedienperson)

Leerlauf: 82 dB (A)

Vollgas mit Last: 107 dB (A)

Vollgas ohne Last: 109 dB (A)

o. B.

o. B.

o. B.

Vibration
Im Arbeitsmix: Leerlauf/Vollgas/Volllast Ø
Handhabung, Balance
Ergonomische Schwerpunktlage, gut zu manövrieren +
Motorsteuerung
Elektronische Regelung passt Gemischbildung automatisch an unterschiedliche Bedingungen (Luftdruck, Luftfilter, Kraftstoff) an. Keine Vergasereinstellung erforderlich, motorschonendes AutoTune V 2.5 ++
Temperaturverhalten
Ausgeklügeltes, verbessertes Kühlsystem, läuft gleichmäßig auch bei Minusgraden ++
Kettenbremse
Auslösung über Handschutz bzw. übe Massenträgheit, Rückschlagwinkel bei rund 30° Ø
Montage der Kette
Einfach, Kettenraddeckel mit zwei unverlierbaren Muttern (austauschbar) befestigt +
Kettenspannung
Einfach, seitliche Kettenspannung +
Kettenschmierung
Fördermenge im Schnitt ca. 12 ml/min. bei Höchstdrehzahl ca. 22 ml/min Ø
Betankung
Klappbare, gleich große Tankverschlüsse ohne Werkzeug bedienbar, gut erreichbar +
Wartung

Motor- und Zündkerzenabdeckung: einfach abziehbare, werkzeuglose Verschlüsse. Zum Lösen der Zündkerze ist ein Kombischlüssel erforderlich.
 

Luftfilter - Reinigung: verschraubt, Lösen ohne Werkzeug möglich, sehr gute Abdichtung. 

Luftfilter - Verschmutzung: keine Auffälligkeiten, großer Auswurf (keine Verstopfungen b. Längsschnitten).

Ø

 

 

++

Betriebssicherheit
Im Testbetrieb sind keine sicherheitstechnischen Bedenken aufgetreten o. B.
Bedienungsanleitung
Übersichtlich und gut bebildert Ø
Gesamtlistenpreis (UVP) der Testsäge (inkl. 20% USt) € 997

Fazit

Die Säge verfügt über ein elegantes Design. Optisch gesehen, gibt es auf den ersten Blick nur wenige Unterschiede im Vergleich zur Vorgängerserie. Das Innenleben hat sich jedoch deutlich verbessert. Besondere Aufmerksamkeit wurde auf die Optimierung der Luftströme im Motorraum sowie die Kühlung des Motors gelegt. Die verbesserte Hitzeabschirmung und -ableitung (auch der Zündung) kommt wiederum dem Startverhalten der Säge zugute.

Das neue Luftfilter-System, das Upgrade der Air Injection-Technologie und die neue AutoTune-Version spielen gut zusammen. Die Mutter aller Säge dürfte die bereits vorgestellte 572 XP-Profisäge sein. Einige der dort bereits erfolgreich umgesetzten Neuerungen (inkl. Fällmarkierungen)  finden sich nun auch bei der kleineren Sägengeneration wieder. Im herausfordernden Einsatz lässt sich damit punkten, hoffentlich bei noch mehr Arbeitsstunden ohne Komplikationen. 

Die kraftvolle 550 XP Mark II sorgt für beachtliche Schnittleistung. Der „Biss“ der Säge macht Freude bei der Arbeit – und das bei moderatem Kraftstoffverbrauch. Es gab beim Test keine unerwarteten Stopps und auch keine sonstigen Probleme. Das Mehrgewicht spielte beim Hantieren keine Rolle. Die Griffheizung war im Winter vorteilhaft.  

Die Schienenlänge sollte zwischen 38 und 45 cm (15”-18”) gewählt werden. Das hohe Drehmoment und die hohe Beschleunigung der Kette sorgen für erfreuliche Arbeitsfortschritte beim Fällen bis etwa 40 cm dicker Bäume und ein zügiges Entasten. Das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Säge wird seitens des schwedischen Herstellers durch die verlängerte 2-Jahre-Garantie nochmals bestärkt. Die Säge ist in der Testausstattung ab 997 Euro (inkl. USt) erhältlich.