Recht

Geduldet, gestattet oder Verboten?

Ein Artikel von DI Dr. Nikolaus Lienbacher, MBA | 30.09.2019 - 08:26
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Pilze dürfen Nicht überall gesammelt werden Waldeigentümer können das Pilzesammeln durch Dritte auf eigenem Grund untersagen. © Shutterstock

Zur Jahreszeit passend, kann aus diesen Strafbestimmungen des § 174 Forstgesetz jene betreffend das Sammeln von Pilzen herausgegriffen werden. So heißt es in § 174 Abs 3 lit b) Ziffer 2. Forstgesetz: „Eine Verwaltungsübertretung begeht ferner, wer unbefugt im Walde sich …Pilze in einer Menge von mehr als 2 kg pro Tag aneignet.“ Unter „unbefugt“ wird nach § 174 Abs. 5 jene Person bezeichnet, welche weder Waldeigentümer, Fruchtnießer noch Nutzungsberechtigter ist und auch nicht in deren Auftrag oder mit deren Wissen handelt.

Die jüngsten Meldungen über das vielfach stattfindende „Ausplündern“ unserer heimischen Wälder durch Schwammerlsuchtrupps zeigen einmal mehr, dass die gesetzliche Regelung vor allem zur Erhaltung der Biodiversität erforderlich ist, aber auch den Eigentümer schützen soll. Schon in § 405 ABGB ist festgeschrieben, dass die natürlichen Früchte eines Grundes, die er, ohne bearbeitet zu werden, hervorbringt, dem Eigentümer des Grundes zuwachsen. Im Reichsforstgesetz 1852 war das Sammeln von Pilzen und Beeren noch an die Zustimmung des Waldeigentümers gebunden. Die aktuelle Gesetzeslage erlaubt es dem Waldeigentümer, das Sammeln von Beeren und Pilzen zu verbieten und sich diese Nutzung selbst vorzubehalten. 

Bei Stillschweigen des Waldeigentümers kann jedoch davon ausgegangen werden, dass er das Schwammerlsuchen gestattet bzw. duldet. Will der Waldeigentümer das Pilzesammeln in seinem Wald durch Dritte nicht dulden, so bedarf es dazu besonderer Ankündigungen. 

2 kg pro Person und Tag sind erlaubt

Die aktuelle Rechtslage erlaubt grundsätzlich das Sammeln von Pilzen bis zu 2 kg je Person und Tag, sofern der Grundeigentümer dies nicht erkennbar verbietet. Dem Grundeigentümer selbst sowie dessen nahen Angehörigen ist es jedoch erlaubt, auf Eigengrund mengenmäßig uneingeschränkt Pilze zu sammeln, nach der Kärntner Pilzverordnung jedoch nur für den Eigengebrauch. Zu beachten sind daher die zahlreichen landesrechtlichen Vorschriften, die sich in den einzelnen Pilz(schutz)verordnungen finden. So sieht z.B. die Salzburger Pilzschutzverordnung vor, dass beim Sammeln in einer Gruppe maximal 8 kg Pilze je Tag gesammelt werden dürfen, auch wenn es mehr als vier Personen sind. 

Tages- und Jahreszeitliche Einschränkungen

Weiters schränkt die Pilzschutzverordnung das Sammeln von Pilzen tages-zeitlich und auch jahreszeitlich ein, dies vor allem zum Schutz des Wildes. In bestimmten Fällen ist eine Bewilligung der Naturschutzbehörde einzuholen, so z.B. beim Sammeln im Oktober und November. Weitere Einschränkungen gibt es in Schutzgebieten. So schreibt die Kärntner Pilzverordnung vor, dass das Sammeln wild wachsender Pilze in Naturschutz- und Europaschutzgebieten, Kernzonen eines Nationalparks und in Naturzonen eines Biosphärenparks verboten ist. Auch sind z.B. nach der Tiroler Pilzschutzverordnung organisierte Veranstaltungen zum Sammeln wild wachsender Pilze verboten. Die oberösterreichische Artenschutzverordnung sieht wiederum für bestimmte Pilzarten einen generellen Schutz vor, sodass ein Sammeln nicht erlaubt ist.

Ausweisung bei Nichteinhaltung

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Schutz des Wildes Die Pilzschutzverordnung schränkt das Sammeln von Pilzen tageszeitlich und auch jahreszeitlich ein. © Shutterstock

Nach § 112 Forstgesetz ist der Waldeigentümer berechtigt, Personen, die mehr als 2 kg Pilze sammeln und damit im Regelfall eine Verwaltungsübertretung begehen, aus dem Wald auszuweisen. Dieses Recht haben auch bestellte Forstschutzorgane. 

Erwähnenswert sind auch die für die begangene Verwaltungsübertretung vorgesehenen Strafen. So sind nach dem Forstgesetz für das Missachten der gesetzlichen Bestimmungen zum Pilzesammeln Geldstrafen bis zu 150 Euro vorgesehen. Daneben sehen die landesrechtlichen Gesetze und Verordnungen entsprechende Verwaltungsstrafen vor.

Die in § 354 ABGB festgeschriebene Befugnis des Eigentümers, mit der Substanz und den Nutzungen einer Sache nach Willkür zu schalten und jeden andern davon auszuschließen, ist, wie man am Beispiel des Sammelns von Pilzen durch Dritte sieht, nur mit zusätzlichem Aufwand sicherzustellen. Gerade der Kleinwaldbesitzer tut sich schwer, Verbotstafeln so zu platzieren, dass es der durchschnittliche Schwammerlsucher auch wirklich erkennt. In der Praxis bleibt ihm nichts anderes übrig, als es zu dulden, auch wenn es sich um keine Duldungspflicht im Sinne einer Eigentumsbeschränkung handelt.