ÖKOLOGIE

Wenn Bäumen zu heiß wird

Ein Artikel von Österreichische Bundesforste | 06.10.2020 - 10:29

Lange Trockenperioden haben auch in den feuchten Gebirgswäldern Österreichs Auswirkungen auf Baumwachstum und Kohlenstoffbindung. Und das, obwohl dort selbst in Dürrejahren so viel Niederschlag fällt, wie in anderen Regionen Österreichs in einem durchschnittlichen Jahr. Leidet der Wald an Wassermangel, kann er seine Klimaschutzfunktion nur mehr eingeschränkt erfüllen. Lange Trockenperioden, die durch den Klimawandel zunehmen, schwächen die Bäume und machen sie anfälliger für Schädlinge. Sie führen zu Trockenstress. Die Folgen sind nicht sofort sichtbar, wie Auswertungen des Umweltbundesamtes zu den Auswirkungen von Dürre auf einen Fichten-Buchen-Gebirgswald der Bundesforste belegen. Einzelne Trockenjahre verringern den jährlichen Stammzuwachs einzelner Bäume nur minimal. „Ein schleichender Prozess, der aber messbar ist und die Kohlenstoffbindung im Wald beeinträchtigt“, erklärt Monika Mörth, Geschäftsführerin des Umweltbundesamtes. Die Auswirkungen lassen sich erst mit zeitlicher Verzögerung messen, denn Stressschäden an Wurzeln und Wasserkanälen im Stamm benötigen Zeit zur Reparatur. „Mit einer dem Standort angepassten Baumartenmischung kann aber gegengesteuert werden“, betont Monika Mörth.

Dürreeffekte: Weniger Wachstum, weniger Ertrag und weniger Klimaschutz

Der Vergleich von Trockenjahren mit Jahren mit durchschnittlichem Niederschlag zeigt, wie sich wiederholte Dürreperioden im Wachstum auswirken. Hinweise darauf liefern Messungen des Stammumfangs mit Hilfe von sehr sensiblen Baumumfangssensoren, so genannten Dendrometern (griech. Baummesser). Sie können Umfangsänderungen eines Baumes im Millimeterbereich ermitteln. Denn bei Trockenheit nimmt der Stammumfang ab, der Baum zieht sich förmlich zusammen und dehnt sich erst wieder aus, wenn der Flüssigkeitshaushalt wiederhergestellt ist. Die Messergebnisse zeigen, dass die Bäume am Zöbelboden im Trockenjahr 2018 viel häufiger unter Trockenstress standen als im feuchteren Jahr 2019. Über den Untersuchungszeitraum von zwanzig Jahren verringerte sich das jährliche Stammwachstum von 3.080 kg pro Hektar aufgrund von Dürren auf 2.760 kg pro Hektar. Das entspricht einer Abnahme um 10 %. Durch das geringere Stammwachstum nimmt auch die Klimaschutzleistung ab, da weniger Kohlenstoff im Baum gebunden werden kann. Umgerechnet wurden in den letzten 20 Jahren am Zöbelboden um rund 1,6 Tonnen weniger Kohlenstoff pro Hektar im Stammholz gebunden. Das ist in etwa so viel, wie der Wald am Zöbelboden in einem Jahr an Kohlenstoff bindet. Dazu kommen weitere Effekte von Trockenheit und Hitze, die die Klimaschutzleistung des Waldes verringern. So konnten die Experten des Umweltbundesamtes nachweisen, dass es durch hohe Bodentemperaturen in Trockenjahren zu einer stärkeren Bodenatmung kommt, d.h. durch Abbauvorgänge im Boden wie Zersetzung und Humusbildung wird mehr Kohlenstoff freigesetzt.

Förderung trockenheitsverträglicher Baumarten

Mischwälder puffern Dürreeffekte gut ab, da indirekte Folgen von Trockenstress wie etwa eine höhere Anfälligkeit für Schädlinge, nur eine Baumart betreffen und nicht den ganzen Bestand. Der Wald der Zukunft wird ein artenreicher Mischwald sein, da sich Mischwälder als widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse erwiesen haben als Monokulturen. Baumarten, die mit längeren Trockenperioden besser umgehen können, werden zunehmen, die Fichte, Österreichs häufigste Baumart hingegen abnehmen. Als Flachwurzlerin braucht sie mit mindestens 600-800 mm pro Jahr vergleichsweise viel Niederschlag. Tanne und Lärche hingegen brauchen weniger Wasser und vertragen Trockenheit besser. Was Niederschlag betrifft, ist auch die Eiche genügsam. Sie wächst bevorzugt an trockenen Standorten und hält auch längere Perioden ohne Niederschlag gut aus. Die Eiche wird vor allem im Osten des Landes bzw. in niederen Lagen zunehmen, während sich die Fichte aus Lagen unter 600 m Seehöhe langfristig zurückziehen wird.