Wachstum fördern, Vitalität steigern

Ein Artikel von Elisabeth Feichter | 02.12.2019 - 15:26
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© Elisabeth Feichter

Gerade, weil die Fichte in Österreich vielerorts gefährdet ist, sollen verbleibende Bestände so gut als möglich gepflegt werden. Im Zuge einer Seminarreihe zeigten DI Dr. Günther Rössler, Abteilungsleiter für Waldwachstum am BFW, und DI Dr. Thomas Ledermann, Abteilungsleiter-Stv., unterschiedliche Durchforstungsszenarien in Fichtenbeständen, die sie auf Dauerversuchsflächen beobachten konnten. 

Neben den standörtlichen Bedingungen habe die Stammzahl Einfluss auf das Baumwachstum. Je größer der Standraum eines Baumes, desto stärker ist auch seine Krone und desto mehr Blattfläche könne er ausbilden. Folglich kann der Baum größere Mengen assimilieren und mehr Photosynthese betreiben, was den Zuwachs erhöht. Auch das Wurzelsystem nutzt ein vorhandenes Platzangebot, um sich weiter auszubreiten. Ein weitläufiges Wurzelsystem kann mehr Wasser und Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen und ist zudem besser verankert. Wenn Bäume also zu nahe stehen, beginnt unweigerlich ein Kampf um Ressourcen – über sowie unter der Erde. „Für Waldbesitzer sind die Zusammenhänge zwischen Standraum, Stabilität, Bestandesdichte, Mortalität und Zuwachs insofern von Bedeutung, weil diese gesteuert werden können“, erklärte Rössler. Das beginne bereits beim Pflanzabstand, gehe über die Stammzahlreduktion bei der Dickungspflege und später bei Durchforstungsmaßnahmen. Einzig das Höhenwachstum ist zum größten Teil lediglich von der Standortgüte beeinflusst. Bereits der Pflanzverband (2,6 m x 1,5 m im Dreieck) soll auf den Endbestand ausgerichtet sein und maximal 2500 Pflanzen/ha betragen. Der Reihenverband erlaubt mehr Platz für den einzelnen Baum als der Quadratverband. 

Ausreichender Standraum wirke sich außerdem zugunsten der Vitalität und Stabilität von Beständen aus. In sehr dichten Beständen fängt das Kronendach einen Teil des Niederschlages auf und er verdunstet, bevor er den Waldboden erreicht. „Der sogenannte Interzeptionsverlust kann in Nadelwäldern bis zu 40 % des jährlichen Niederschlages ausmachen. Kräftige Durchforstungen können demnach zu erhöhter Wasserverfügbarkeit am Waldboden führen“, erläuterte Ledermann.

Das Stabilitätsmaß eines Baumes ist das Verhältnis zwischen Höhe und Brusthöhendurchmesser (BHD), der sogenannte H/D-Wert. „Bei Fichten gilt die Faustregel, dass dieser Wert in einem Bestand nicht über 80 sein sollte“, so die Experten. Damit Vitalität und Stabilität optimal sind, soll die Kronenlänge in etwa die Hälfte der Baumlänge ausmachen. Ein Baum mit einer Höhe von 25 m (gerechnet mit 2.500 cm) und einem BHD von 33 cm hat einen H/D-Wert von 75,8 und ist als stabil einzustufen. Das Kronenprozent ist größer als 50.

Niedrige Stammzahlen und frühe Durchforstungen im Nadelholz reduzieren auch das Windwurfrisiko. Wenn es eben der Standraum zulässt, bildet der Baum ein kräftigeres Wurzelsystem, der Durchmesser wächst schneller und mit steigender Kronenlänge sinkt der Schwerpunkt. Sollte die Durchforstung zu spät durchgeführt werden, haben die Bäume einen höheren H/D-Wert und die Öffnung des Kronendachs erhöhe das Windwurfrisiko. Verkürzte Umtriebszeiten, frühe und entsprechend kräftige Durchforstungen werden empfohlen, damit die Bäume nicht zu hoch werden. Versuche haben gezeigt, dass in durchforsteten Beständen ein Baum um etwa 1,7 fm mehr Volumen produziert hat. 

Stark durchforstete Bestände reagieren rasch und schließen innerhalb weniger Jahre. „Man erspart sich nichts, wenn man nur Stangen produziert“, so Rössler. „Egal, um welche Baumart es sich handelt, Bestände sind zu bewirtschaften und zu pflegen“, gaben die Experten zu verstehen.

Pflanzverband

Im Dreiecksverband (2,6  x 1,5 m) können 16 % mehr Pflanzen stehen als im Quadratverband.
Von Fichte zwischen 1.200 und 2.500 Pflanzen/ha

Stammzahlreduktion

Je nach Aufforstungsdichte
Wichtig bei Naturverjüngung: Entfernung von Protzen, Zwieseln, ...
Baumartenmischung
Bei 2 – 3 m Oberhöhe

Durchforstung

Auslesedurchforstung ist einer Nieder-, Hoch- oder Strukturdurchforstung vorzuziehen
Bei Oberhöhen zwischen 12 und 15 m
200 - 300 Stämme/ha für den Endbestand markieren und gezielt fördern
Der richtige Z-Baum ist vital, hat eine Kronenlänge von einer halben Baumhöhe und ist mindestens 6 m vom nächsten Z-Baum entfernt.
Im Zweifel gilt, Stabilität vor Qualität.
Keine Ersatzbäume - größte Konkurrenz der Z-Bäume
Hiebsreife Bestände nicht stehen lassen