Leben unter der Erde

Ein Artikel von Elisabeth Feichter | 13.06.2019 - 10:57

Anfang Mai veranstaltete die Forstliche Ausbildungsstätte Traunkirchen des BFW gemeinsam mit dem Oberösterreichischen Landesforstdienst ein Seminar zum Thema Forstschutz. Baumwurzeln und Pilze, also das Leben unter der Erde standen im Fokus der Veranstaltung.

Univ.-Prof. Dr. Douglas Godbold von der Universität für Bodenkultur vermittelte die Komplexität von Wurzelsystemen. „Wurzeln sind ein immer kleiner werdendes System, welches von den Strukturwurzeln über Feinwurzeln (< 2 mm) und Mykorrhizen bis hin zu Bakterien reicht“, erklärte Godbold. Verschiedene Baumarten haben unterschiedliche Wurzelsysteme. So wurzeln Nadelbäume bis etwa 130 cm und Laubbäume 200 cm tief, je nach Standort. Zudem wachsen Wurzeln dorthin, wo sie Wasser und Nährstoffe erreichen. In sauren Böden seien sie eher oben, so der Professor. 

Eine untrennbare Symbiose stellen Mykorrhizapilze mit Wurzeln dar. Diese Pilze machen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar. Derartige Gesellschaften können aus bis zu 70 Mykorrhiza-Arten bestehen. Diese Systeme dienen Bäumen zudem zur Kommunikation, informierte Godbold. Mykorrhizapilze seien an eine fortlaufende Existenz von Baum und Pilz gebunden, daher riet FM DI Gerhard Fischer von Kahlschlägen ab. „In 2,5 m2 Boden befinden sich ungefähr 40.000 km Pilzmycel. Damit könnte man ein Mal um die Erde“, untermauerte Fischer die Bedeutung der Pilze.

Holzzersetzende Pilze

Über Wurzelschäden durch Pilze sprach DI Bernhard Perny vom BFW. Diese Pilze bauen organische Substanz ab und schließen sie auf. Manche töten lebendes Holz ab, andere wiederum besiedeln nur Totholz und es gibt rein verfärbende Pilze (Bläue). Einer der bedeutendsten Wurzelfäuleerreger sei der Hallimasch. Er ist natürlicher Bestandteil europäischer Forstökosysteme und kommt in allen Höhenstufen vor. Ein Befall durch Hallimasch sei nach Vorschädigungen, wie beispielsweise Trockenstress, möglich. „Ein weiterer bedeutender Wurzelfäuleerreger ist die Rotfäule (Heterobasidion annosum) an allen Nadelholzarten Österreichs“, so Perny. Phytophtora-Arten können sich überall entwickeln und Bäume über alle Pflanzenorgane infizieren. Vermehrt tritt dieser Pilz in Randbereichen von Forstwegen auf. 2018 gab es 170 beschriebene Phytophtora-Arten und sie bevorzugen gesundes, vitales Material. Als Beispiel nannte Perny das Erlensterben an den Flussläufen des Murtales. 

Eschen weiterhin gefährdet

Als äußerst gefährlich stuft Martin Brandstetter vom BFW das „Eschen(trieb)sterben“ ein. Als Erreger sei heute das „Eschen-Stängelbecherchen“ bekannt. 2005 wurde diese Krankheit aus Asien in Österreich eingeschleppt. „Nach dem Triebsterben, treten Stamm- und Wurzelhalsnekrosen auf und diese sind Eintrittspforten für holzzersetzende Pilze“, so Brandstetter. Krone und Stamm müssen daher separat und vor August beurteilt werden. Sollten 80 % der Krone geschädigt sein, sei der Baum tot. Mit zusätzlichen Stammnekrosen müssen Bäume im Gefahrenbereich entfernt werden, im Bestand könne man sie stehen lassen, so die Empfehlung des Experten.

Außerdem zeigte DI Dr. Thomas Ledermann auf, dass das Pflanzverfahren auch Einfluss auf die Baumstabilität habe. Containerpflanzen waren bei systemkonformer Pflanzung gegenüber der Winkelpflanzung im Vorteil.