EXPERTENMEINUNG 

Was mir bei Wildunfällen schon geholfen hat

Ein Artikel von Jens-Peter Burkhardt | 05.03.2020 - 11:45

Dabei dürfte die Dunkelziffer noch weitaus höher sein. Diverse Wildunfälle werden erst gar nicht gemeldet. Dazu addieren sich in mehreren Jahren meiner Jagdpraxis keine zehn Anrufe, wo Füchse, Dachse oder Hasen überfahren worden sind. Auch hier dürfte die Dunkelziffer weitaus höher liegen. Was tun, wenn es wieder gekracht hat? Nachstehend eine kleine Checkliste – natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

  1. Die Eigensicherung auch bei Tag nicht vergessen: Der Jäger täte gut daran, sich eine Warnweste anzuziehen. Spätestens bei einsetzendem Regen ist er – grüner Nimrod auf grünem Grund – nur noch schwer auszumachen.
  2. Lassen Sie sich nie dazu überreden, „Mehrangaben“ zum Schaden zu machen! Ein derartiger Versicherungsbetrug kann den Entzug des Jagdscheins nach sich ziehen.
  3. Sichern Sie lückenlos alle Straßen bei Gesellschaftsjagden ab. Im Falle eines Unfalls kann eine Unterlassung zur Mithaftung führen.
  4. Hand aufs Herz: Wie viele Autofahrer nehmen das Schild „Wildwechsel“ tatsächlich zum Anlass, die Geschwindigkeit zu reduzieren?

Wild

  • Immer eine Langwaffe mitführen. Totgesagte leben länger!
  • Immer ein geeignetes Messer für das Abfangen mitnehmen, wenn die Situation für einen Fangschuss gänzlich ungeeignet ist. Nicken Sie nicht ab, eröffnen Sie stattdessen den Brustkorb. 
  • Wer kann, hat seinen Hund dabei. Ihr Vierbeiner findet zumindest die Stelle, wo das Wild tatsächlich entschwand.
  • Nach Möglichkeit zu zweit zum Unfallort fahren. Dient auch dazu, Personen vom Wild „abzulenken“. Zudem haben Sie einen Zeugen/eine Zeugin, wenn später Vorwürfe gegen Sie erhoben werden sollten: „Der Jäger stach doch glatt zehn Mal auf das arme Bambi ein.“
  • Bergegurt/-haken mitführen: Das Reh war mal wieder Rotwild. Gut, dass eine Bergehilfe (und Ihre Begleitung) vor Ort sind. 
  • Wildwanne o.ä., aber das kennen Sie ja ohnehin aus Ihrem Jagdbetrieb.
  • Taschenlampe: diese bitte voll aufgeladen. Wie oft dauerte das „kurze Bergen“?
  • Über eine Stunde oder begann es schon zu dämmern?
  • Die Liste bestätigter Schweißhundeführer in Ihrer Region. Rufen Sie den Hundeführer Ihres Vertrauens aber bitte nicht um 01:30 Uhr vom Unfallort an.
  • Trassierband und/oder eine Farbsprühdose mitnehmen. So finden Schweißhundeführer und Sie die Stelle auch morgen wieder, wenn verunfalltes Wild geflüchtet ist.

Mensch & Material

  • Immer zuallererst: Eigensicherung! Ziehen Sie eine reflektierende Warnweste über und nutzen Sie zwei Warndreiecke. Das zweite Warndreieck hat auch den Gegenverkehr erfolgreich verlangsamt.
  • Stift, Zettel, Wildunfallbescheinigung: Notieren Sie doppelt alle Personen- und Kfz-Daten, nicht nur auf der Wildunfall-Bescheinigung. Bei Personenschäden werden ohne Ausnahme die Polizei und die Rettung dazugerufen!
  • Apropos: Die Rufnummer der Rettung ist Ihnen bekannt? Plötzlich fasste sich der ältere Herr am Unfallort ans Herz und musste sich setzen. Oder die geschockte Fahrerin des demolierten Kleinwagens wird erst von Ihnen darauf hingewiesen, dass sie am Kopf blutet ...
  • Fotos! Fotografieren Sie das Auto und das Tier (so zugegen). Dokumentieren Sie alles. Manche Versicherung möchte später von Ihnen noch Angaben, spätestens dann, wenn der Frontal-Unfall mit einem Rehkitz zur Erneuerung eines Cabrio-Verdecks führen soll. Den Schaden dort hatten Sie übrigens nicht feststellen können. Lassen Sie sich nie zu „Mehrangaben“ hinreißen!
  • Die Amtsnummer der zuständigen Polizei-Dienststelle. Fragen Sie bitte nicht über den Notruf nach, wann der Streifenwagen eintrifft. Zudem tauchen gelegentlich Rückfragen auf, an die Sie noch gar nicht gedacht haben (toter Fuchs am Straßenrand, Fahrer fährt plötzlich davon, eine Mutter besteht darauf, dass das Tier nur von der Polizei erschossen werden darf, ...)
  • Stichwort Polizei: Sie haben immer Ihren Jagdschein, die WBK sowie Ihren Personalausweis dabei. Der junge Polizeibeamte, erst kurz zuvor aufs Land versetzt, nimmt es heute Nacht ganz genau und fragt Sie, wer Sie eigentlich sind. „Alle Ihre Papiere, bitte.“ Das ist sein gutes Recht! 
  • Telefonliste aller Jagdnachbarn. Ein Klassiker: Das Schmaltier lag wieder einmal nicht auf Ihrer Seite der Landstraße. Versorgen Sie das Tier und informieren Sie Ihren Nachbarn, wie weiter verfahren werden soll. Hierfür treffen Sie bitte VORHER Absprachen. Eine Wildfolgevereinbarung würde Ihr Agreement mit Ihrem Nachbarn weiter abrunden.