Brennholz marktgerecht produzieren

Ein Artikel von DI Martin Huber, Stv. Leiter der FAST Ossiach des BFW | 01.10.2019 - 12:57
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Bei der Holzfeuchte wird der Anteil des im Holz enthaltenen Wassers auf die absolut trockene Holzmasse bezogen. Die meisten elektronischen Messgeräte messen die Holzfeuchte und nicht den Wassergehalt © Wolfgang Simlinger

Ein Wassergehalt von maximal 20% ist Voraussetzung für gutes Brennholz. Dieser Wert sagt aus, dass 1 kg Holz höchstens 0,2 l Wasser enthält. 12-15 % Wassergehalt hat Qualitätsbrennholz. Um trockenes Brennholz zu erhalten, wird es üblicherweise ein bis zwei Jahre an einem gut durchlüfteten, trockenen Ort gelagert. Unter der Abdeckung muss Luft durchströmen können. Eine direkt aufliegende Plane verursacht Kondenswasser und das Holz bleibt feucht. Im Bodenbereich darf die Luftzirkulation nicht durch Bewuchs behindert sein. Ein Bodenkontakt des Brennholzes ist mit Unterlagen zu vermeiden. 

Bei großen Brennholzproduzenten ist eine Trocknung in Trockenkammern üblich. Die kürzeren Lagerzeiten verursachen allerdings zusätzliche Energiekosten. Verwirrung stiften oft die Begriffe Holzfeuchte und Wassergehalt. Bei der Holzfeuchte wird der Anteil des im Holz enthaltenen Wassers auf die absolut trockene Holzmasse bezogen. 20 % Wassergehalt entspricht einer 25 %igen Holzfeuchte. Die meisten elektronischen Messgeräte messen die Holzfeuchte und nicht den Wassergehalt. 

Hart oder weich

Ob es sich um hartes oder weiches Brennholz handelt, ist relativ leicht zu klären, da dies in den Österreichischen Holzhandelsusancen festgelegt ist. Zum Hartholz zählen: Rotbuche, Weiß(Hain)buche, Ahorn, Eiche, Ulme, Esche und Birke. Als weiches Brennholz sind Fichte, Tanne, Weißkiefer und Lärche definiert. An diese Handelsgebräuche sollte man sich unbedingt halten, da sie im Streitfall Gültigkeit haben. Alle anderen Holzarten sind Vereinbarungssache. Dabei kann man davon ausgehen, dass Holzarten ab einem Darrgewicht von 590 kg/m³ zum harten Brennholz zu zählen sind. Wenn hartes Brennholz geliefert wird, sollten ausschließlich die oben angeführten Holzarten dabei sein. Der Vorteil harten Brennholzes gegenüber weichem liegt in der unterschiedlichen Energiedichte. Dies äußert sich in der Praxis durch einen geringeren Brennstoffbedarf und längere Nachlegeintervalle. Zum Beispiel können 10 Raummeter (Rm) Buchenbrennholz 14,3 Rm Fichtenbrennholz ersetzen.

Gesund und sauber

Gesund heißt, frei von Insekten und Pilzen. Pilzbefall verursacht möglicherweise gesundheitsschädliche Sporenbelastung. Wenn Stammholz ungespalten an einem feuchten Ort bzw. mit direktem Bodenkontakt gelagert wird, besteht die Gefahr, dass es „abstickt“. Darunter versteht man einen Zersetzungsprozess durch Weißfäule, der innerhalb von ein bis zwei Monaten zu einer drastischen Verminderung des Heizwertes führen kann. Bohrmehl, das durch Insektenbefall verursacht wird, führt zur Verschmutzung des Holzlagerplatzes und der Heizstelle. Auch die Rinde löst sich durch den Insektenbefall und führt neben der Verschmutzung auch zu einem Maßverlust. Gesundes Holz ist in der Regel sauber. Verschmutzung durch Schlamm bzw. Erde erhöht beim Heizen den Ascheanfall. Aber auch die Bildung von Schlacke ist möglich. Verunreinigtes Holz kann zu Betriebsstörungen bei der Heizanlage führen. Lebende Käfer und deren Larven sind für die Brennholznutzer ekelerregend – insbesondere dann, wenn das Holz im Wohnhaus gelagert wird. 

Sortenrein

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© Wolfgang Simlinger

Wenn Brennholz sortenrein produziert wird, kann leichter auf Kundenwünsche eingegangen werden. In Zentralheizungsöfen spielt in erster Linie der Heizwert eine Rolle. Heute gibt es in vielen Häusern eine Feuerstelle mit sichtbarer Flamme im Wohnbereich. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Lustfeuer. Dieses dient in erster Linie dazu, einen Wohlfühleffekt zu erzielen. Da verschiedene Holzarten unterschiedlich schöne Flammbilder haben, werden von Kunden spezielle Holzarten bevorzugt. Besonders schöne Flammen in Kombination mit ruhigem Abbrand zeigen Buchen- und Birkenholz. Buchenholz verströmt beim Verbrennen einen angenehmen Geruch. Eichenholz hingegen riecht durch den hohen Gerbstoffgehalt unangenehm. Einige Holzarten neigen auch zum „Spritzen“ und Knistern. Bei einem Lagerfeuer wird das als romantisch eingestuft. Bei einem offenen Feuer im Wohnbereich wird dies wegen der Brandgefahr bzw. Verschmutzung der Sichtgläser nicht geschätzt. Eiche, Fichte, Lärche und Kiefer zählen zu den Hölzern mit unruhigem Abbrand. Birkenholz hat einen sehr guten Ruf als Brennholz und wird oft wegen seiner dekorativen weißen Rinde nachgefragt. Wenn man Kleinmengen zu sehr hohen Preisen vermarkten will, ist sortenreines Brennholz von Vorteil.

Nachvollziehbares Maß

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Vorsicht bei Mengenangaben: Vorstellungen von „einem Meter“ Brennholz können bei Käufer und Verkäufer ganz unterschiedlich sein © Wolfgang Simlinger

Das wohl schwierigste Kapitel sind die Maß- bzw. Sortimentsangaben beim Brennholzhandel. Selbst Brennholzverkäufer mit jahrzehntelanger Erfahrung und großem, zufriedenem Stammkundenkreis haben oft Probleme, Neukunden zufriedenzustellen. Der Grund dafür ist, dass nicht präzise und verständlich vereinbart wird, in welcher Form das Brennholz geliefert werden soll. Üblich ist es, Brennholz ofenfertig zu liefen. Das heißt, dass es ohne weitere Bearbeitung oder Lagerung verheizt werden kann. Die Vermessung erfolgt mittels Raummaß. Das Volumen wird also inklusive den Leerräumen den zwischen den Scheiten angegeben. 

Je nachdem, wie Holz gestapelt wird, ergeben sich mehr oder weniger große Zwischenräume, die mit Luft gefüllt sind. Für diese mitgemessene Luft gibt es anerkannte Richtwerte, die einen Brennholzhandel in dieser Form überhaupt erst ermöglichen. Dabei ist allerdings Voraussetzung, dass bei geschichtetem Holz keine unnötigen Zwischenräume vorhanden sind. Die Werte laut Tabelle 1 sind üblich und haben sich in der Praxis bewährt.

Wenn ein Kunde also „einen Meter“ Brennholz bestellt, kann die Vorstellung von diesem „Meter“ beim Verkäufer eine ganz andere sein als beim Käufer. Sehr oft wird das Scheitholz vor dem Abschneiden vermessen und so verrechnet. Die Zustellung erfolgt geschüttet in einem Anhänger. Wenn nun der Kunde den, inzwischen zum Stückholz gewordenen Brennstoff zu Hause aufschichtet, werden ihm ca. 16 % des Volumens abgehen. Wenn ihn der Verkäufer darauf rechtzeitig hinweist, lassen sich Missverständnisse vermeiden.

Tabelle 1
  Festmeter Raummeter Stückholz Raummeter Scheitholz Schüttraummeter
Maßeinheit für 1 m3 feste Holzmasse geschichtete Holzstücke mit einer Länge von 33 cm geschichtete Holzstücke mit einer Länge von 1  m geschüttete Holzstücke mit einer Länge von 33 cm
Faktor 1 1,2 1,4 2

Scheitgröße

Brennholz wird in Längen von 50, 33, 25 und seltener 100 und 20 cm Länge geliefert. Die Seitenlänge der Scheite sollte nicht länger als 15 cm sein, da größere Stücke langsamer trocknen und auch ein verzögertes Brennverhalten haben. Umso kürzer die Scheitlänge, umso kleiner sollte auch das Holz gespalten sein.

Günstig

Billig soll das Brennholz meistens auch noch sein. Die Verkäufer sind allerdings gut beraten, nach der alten Weisheit: „Was nichts kostet, ist nichts wert“, zu handeln. Für qualitativ hochwertiges Brennholz, das auch bei genauer Vermessung hält, was es verspricht, kann trotz stolzen Preises ein zufriedener Kundenstock aufgebaut werden. Der Preis muss nur im Verkaufsgespräch gut begründet werden. Wenn dann der eine oder andere einem vermeintlich günstigeren Angebot aus der Werbung nicht widerstehen kann, ist das nicht so schlimm. Nachdem sie einen Winter lang feuchtes Holz von der Palette geheizt haben, die manchmal im Inneren noch eine Überraschung in Form von Sägespänen bereithielt, werden auch diese Kunden zu treuen Stammkunden. 

Sichere Holzernte

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Der Vorhängerschnitt mit Halteleiste kann schwere Unfälle verhindern © FAST Ossiach

Natürlich gelten bei der Ernte von Brennholz dieselben Sicherheitsbestimmungen wie bei der Fällung von Sägerundholz. Neben „normalen Bäumen“ sind jedoch vielfach Bäume mit ungewöhnlichen Wuchsformen zu fällen. Diese „Sonderfälle“ sind unfallfrei oft nur mit speziellen Schnitttechniken zu Fall zu bringen. Eine davon ist der sogenannte Vorhängerschnitt. Er ermöglicht es, Bäume, die nach vorne hängen bzw. mit einer Seilwinde in eine bestimmte Richtung vorgespannt werden, kontrolliert zu fällen. Kontrolliert heißt, dass der Motorsägenführer den Zeitpunkt, ab dem ein Baum zu fallen beginnt, absolut unter Kontrolle hat. Außerdem sind schwere Verletzungen durch den aufreißenden Stamm – insbesondere bei Buchen und Eschen – beinahe ausgeschlossen. Beim Vorhängerschnitt wird nach dem Fallkerb, der Fällschnitt als Stechschnitt parallel zur Bruchleiste ausgeführt. Auf der dem Fallkerb gegenüberliegenden Seite wird eine Halteleiste belassen. Die Halteleiste hat eine Stärke von etwa 10% des Brusthöhendurchmessers. Diese wird erst durchtrennt, nachdem die Bruchleiste fertig ausgeformt ist.

Eine weitere Herausforderung ist die Fällung von Totholz. Einerseits durch Pilzerkrankungen, wie das Eschentriebsterben, und andererseits durch Borkenkäferbefall nimmt die Anzahl toter Bäume im Wald derzeit stark zu. Stehen diese längere Zeit im Wald, geht von ihnen große Gefahr aus. Durch die Erschütterungen bei der Fällung kann die Baumkrone bzw. Teile davon auf den Motorsägenführer stürzen. Wenn diese Gefahr erkannt wird, kann der Baum mittels eines Seilzuges in Schwingung gebracht und die Gefahr vor der eigentlichen Fällarbeit beseitigt werden. Ist die Festigkeit des Baumes schon so stark beeinträchtigt, dass eine sichere Fällung nicht mehr möglich ist, kann der Baum mit einer Seilwinde von einem Standort außerhalb des Gefahrenbereiches zu Fall gebracht werden.

Bei der Herstellung von Brennholz sind also viele Dinge zu beachten, um den Kundenwünschen gerecht werden zu können. Es ist durchaus sinnvoll, unterschiedliche Qualitäten zu unterschiedlichen Preisen anzubieten. Ein Scheitholzgebläsekessel einer Zentralheizung stellt einfach weniger Ansprüche an das Brennholz als eine Feuerstelle mit sichtbarer Flamme im Wohnzimmer. Die Erwartungen des Kunden werden am besten im Verkaufsgespräch genau analysiert. Bevor Verhandlungen scheitern, ist es oft zweckmäßig, eine kleinere Menge als Probelieferung zu vereinbaren. Kritische Kunden sind dabei mit guter Qualität und Fachwissen leichter zu überzeugen. Sie sind dann auch bereit, einen angemessenen Preis zu bezahlen. Oft werden sie durch ihre Mundpropaganda zu wertvollen Werbeträgern. Brennholzkauf ist Vertrauenssache. Als Brennholzverkäufer sollte man genau über sein Produkt Bescheid wissen, denn nur so kann das Vertrauen des Kunden gewonnen werden.