Das Wasser als Feind

Ein Artikel von Daniel Jonach, Martin Huber | 13.06.2019 - 11:43

Starkregenereignisse beschäftigen nicht nur Meteorologen, Behörden und Anrainer von Gewässern, sondern auch Waldbesitzer. Durch Interzeption kann ein gut bestockter, fichtenreicher Wald Niederschlagsmengen zurückhalten. Bei länger anhaltenden Regen und Starkregenereignissen ist diese Speicherkapazität erschöpft und das Wasser gelangt ungehindert auf den Waldboden. Auf offenen Waldflächen, wie Kahlschlägen, Forststraßen und Lagerplätzen, gibt es diesen Speichereffekt gar nicht und es kommt zu sehr hohen Abflussgeschwindigkeiten des Niederschlagswassers. Erosion ist die Folge. 

Unbedingt erforderlich – neuester Stand der Technik

Steigungen von Forststraßen sollten nach Möglichkeit zwischen drei und acht Prozent liegen. Über bzw. unter diesem Wert ist es schwierig, das Wasser von der Fahrbahn abzuleiten. Die Erhaltungskosten durch die Erosion des Wassers erhöhen sich dadurch drastisch. Vom Stand der Technik spricht man bei einer Forststraße, wenn eine ordnungsgemäße Wasserableitung mit Bombierung, bergseitigem Wassergraben und einer ausreichenden Anzahl an Durchlässen mit einem maximalen Abstand von 50 m.

Probleme nach Starkregenereignissen treten oftmals in den Bereichen von unbewaldeten Flächen, Grabeneinhängen bzw. Rinnen auf. Hier ist besonders auf eine ausreichende Längs- und Querentwässerung der Forststraße zu achten. Der Rohrdurchmesser ist dabei ausschlaggebend. Durchlassrohre sind mit mindestens 30 cm Durchmesser zu dimensionieren. In Gebieten mit Wasserzügen, bei Straßenquerungen wasserführender Gerinne bzw. Geländerinnen müssen Rohre mit größerem Querschnitt verbaut werden. An Stellen, wo Durchlassrohre regelmäßig versagen, kann zusätzlich eine Furt vorgesehen werden. Sämtliche Durchlässe sind mit einer Auslaufsicherung zu versehen, welche Auswaschungen am Böschungsfuß und das Absitzen der Weganlage im Bereich der Durchlassrohre verhindert.

Bei Planung die ferne Zukunft berücksichtigen

Zusammenschlüsse verschiedener Weganlagen (Kreisverkehr) wirken sich bei Katastrophenereignissen positiv auf eine rasche und sichere Schadholzaufarbeitung aus.

Bei Forststraßen, die im offenen Berggebieten verlaufen, dürfen Schneeverwehungen nicht außer Acht gelassen werden. Schon kleine Schneemengen können durch Windverfrachtung das Wegprofil auffüllen und zu einer unüberwindbaren Hürde werden. Wege die nicht in unmittelbarer Gratnähe liegen sind dafür weniger anfällig.

Grundsätzlich werden bei der Forststraßenplanung positive und negative Kardinalpunkte unterschieden. Positive Bereiche, wie Anschlussstellen, erschließungswürdige Bestände, Gebäude und Betriebsanlagen, günstige Bereiche für Grabenquerungen usw., sind mit der Forststraße unbedingt zu erschließen. 

Negative Kardinalpunkte, wie unproduktive Waldflächen, bautechnisch ungünstige Bereiche (Moor, Felsen etc.), ökologisch sensible Zonen (Quellen, Biotope etc.) sowie Leitungsquerungen (Wasser, Strom, Gas etc.) sind nach Möglichkeit zu umfahren.

Schäden vermeiden ist günstiger als reparieren

Regelmäßige Kontrollen der Wassergräben, Einlaufschächte, Durchlässe, Wasserspulen und anderer Bauwerke zur Wasserableitung sind unbedingt notwendig. Schäden, die in der Entstehungsphase entdeckt werden, können meistens für wenig Geld behoben werden. 

Für den Katastrophenfall

Bei Unwetterereignissen werden Forststraßen oft schwer in Mitleidenschaft gezogen oder komplett zerstört. Erosionen und Windwürfe machen das Passieren unmöglich. Um das Schadholz rechtzeitig aufarbeiten zu können, muss ehestmöglich das Straßennetz wiederhergestellt werden.

Fahrbahnschäden können meistens mit Grader und Walze kostengünstig saniert werden. Besteht die Möglichkeit, das Befestigungsmaterial (Schotter) an Ort und Stelle zu gewinnen, erspart sich der Straßenerhalter hohe Material und Transportkosten.

Eine dem Stand der Technik entsprechende Fahrbahnbefestigung besteht aus Tragschicht (grobes Material), Deckschicht (feineres Gradermaterial) und aus einer dünnen Sandschicht. Durch den Sand wird die Fahrbahn quasi wasserdicht und bleibt auch bei Schlechtwetter kompakt.

Bei Hangrutschungen bzw. Schäden am Böschungsfuß sind aufwendige Sanierungsmaßnahmen erforderlich.

Bei solchen Schäden wird in diesem Abschnitt die Weganlage neu errichtet. Wesentlich ist dabei die Herstellung eines Böschungsfußes auf gewachsenem Grund. Auf diesem wird der Wegkörper neu aufgebaut. Grobsteinschlichtungen kommen bei talseitigen und bergseitigen Böschungen zur Anwendung. In sensiblen Gebieten, wie beispielsweise rutschgefährdetem Gelände, kann jedoch das enorme Gewicht der Steine negative Auswirkungen auf die Geländestabilität haben.

Krainerwände und Kästen

Krainerwände und Kästen aus Rundholz werden ebenfalls zur Stabilisierung der unteren sowie der oberen Böschung herangezogen. Da das Rundholz meist Vorort geerntet und verwendet werden kann (Lärche), ist diese Möglichkeit der Befestigung eine kostengünstige Variante. Die Haltbarkeit ist bei Holzbauwerken jedoch begrenzt. Eine mittlerweile gängige Form der Forststraßenstabilisierung ist die sogenannte „bewehrte Erde“ mittels eines Geogitters. Dieses Geokunststoffgitter wird in den Wegkörper integriert und erhöht somit die Tragfähigkeit bzw. verhindert Rutschungen.

Sicherheit geht vor

Bei Wegbauten und Sanierungen müssen ausreichend Lagerflächen dringend berücksichtigt werden. Nicht nur als Holzlagerplatz oder als Aufstellungsort für Geräte, sondern auch als sichere Ausweichmöglichkeit bei Gegenverkehr sind solche Flächen notwendig.

Umkehrplätze und Kehren können zusätzlich zur Bewirtschaftungserleichterung, im Unglücksfall als Hubschrauberlandeplätze genutzt werden. An besonders steilen Abhängen bietet sich die Montage von Leitwänden bzw. Leitbäumen an. 

Schlechte Forststraßen sind bei Unwetterereignissen sehr oft Ausgangspunkte für Rutschungen oder Muren. Dem Stand der Technik entsprechende und gut instand gehaltene Forststraßen halten Wetterkapriolen wesentlich länger stand und können zudem eine rasche Sturmholzaufarbeitung gewährleisten. 

Forststraßen sind die „Lebensadern“ unserer Forstwirtschaft. Nur wenn sie funktionieren, ist eine nachhaltige und naturnahe Bewirtschaftung des Waldes möglich.