Expertenmeinung

Bodenkapital erhalten

Ein Artikel von DI Hans Zöscher, Leiter der FAST Ossiach des BFW | 10.12.2018 - 08:19

Der österreichische Wald wird in Generationenverantwortung bewirtschaftet, von den Eltern übernommen und im Sinne der Nachhaltigkeit an die Nachkommen weitergegeben. In keinem anderen Wirtschaftszweig wirken sich Fehler von heute so nachhaltig – über Jahrzehnte – aus wie in der Waldbewirtschaftung. Eine schonende Holzernte ist somit als Vermächtnis an zukünftige Waldbesitzer und als Verantwortung der aktuellen Bewirtschaftergeneration zu sehen. Die rasante Mechanisierung der Holzernte mit immer größeren und schwereren Maschinen ermöglicht einerseits eine wirtschaftlich erfolgreiche und zugleich schonende Waldbewirtschaftung. Es kann bei fehlender Planung und unprofessioneller Umsetzung jedoch zu Schäden am verbleibenden Bestand und am Waldboden kommen, welche die Ertragsfähigkeit und das Einkommenspotenzial deutlich verringern.

Der richtige Zeitpunkt

Für jede Maßnahme sollte der günstigste Zeitpunkt ermittelt werden. Während Kahlschläge oder Schadholznutzungen ganzjährig gemacht werden können, ist für Einzelstammentnahmen oder auch für Durchforstungen ein Termin außerhalb der „Saftzeit“ anzustreben. 

Besonders im Mai, Juni und Juli sind Schäden am verbleibenden Bestand durch Fällung und Rückung schwer zu vermeiden und sehr wahrscheinlich. 

Die Rückung im Bodenzug ist auf gefrorenem Boden am schonendsten durchzuführen. Große Forstbetriebe arbeiten einen sorgfältig erstellten Jahresplan ab. Bäuerliche Waldbesitzer sollten vornehmlich die Winterzeit für die Waldarbeit nutzen. Das hilft, Schäden zu vermeiden, und bringt darüber hinaus noch den Vorteil geringerer Arbeitskapazitäten in der Landwirtschaft.

Auszeige hilft!

Die Auszeige des zu bearbeitenden Bestandes, das heißt, die Markierung der Entnahmestämme und der Zukunftsstämme hilft bei einer effizienten Umsetzung der Holzernte. Es ist somit eindeutig festgelegt, welche Stämme zu fällen sind und auf welche Stämme besondere Rücksicht zu nehmen ist. Noch vor der waldbaulichen Auszeige der Bestände erfolgt die Markierung der Zuzuggassen, Seillinien oder Rückegassen, wobei Rücke- und Fällrichtung mit festgelegt werden.

Methodisch richtige Arbeitsausführung

Je anspruchsvoller sich die Holzernte gestaltet, umso erfahrener, geübter und besser ausgebildet müssen die ausführenden Personen sein. Von grundlegender Bedeutung ist dabei die gute organisatorische Vorbereitung des Erntebestandes. Eine klare Festlegung der Fällrichtung entscheidet sehr oft über eventuelle Folgeschäden. Viele Bestandesschäden betreffen genau den verbleibenden Bestand, welcher in der Zukunft die Wertschöpfung bringen soll. Durch unkontrollierten oder rücksichtslosen Zuzug werden Schäden an Zukunftsbäumen wissentlich produziert. 

Der Einsatz von Umlenkrollen, welche den Belastungen entsprechen, kann hier leicht Abhilfe schaffen. Mit einer angepassten Feinerschließung – der Abstand der Rückegassen soll etwa 20 m betragen – wird sowohl auf den verbleibenden Bestand als auch den Waldboden Rücksicht genommen. Bodenverdichtung und durch Maschineneinsatz bedingter Bodenabtrag sind Zeugen einer unbedarften Arbeitsausführung, deren Auswirkungen noch Jahrzehnte später ersichtlich sind und die Produktionskraft des Waldbodens beträchtlich verringern können. Ein unkontrolliertes Befahren des Bestandesbodens außerhalb der Rückegassen hat daher unbedingt zu unterbleiben. Entlang von Zuzugs- und Rückegassen sollen dementsprechend auch keine Z-Bäume, das sind die Wertträger der Zukunft, ausgezeigt werden. 

Optimale Erntemethode

Letztlich haben das ausgewählte Ernteverfahren und die eingesetzte Maschine wesentlichen Einfluss auf die Pfleglichkeit der umzusetzenden Maßnahmen. Im Sortimentsverfahren kann sehr schonend und flexibel gearbeitet werden, auch bei schwierigen Geländeverhältnissen. 

Der Arbeitsaufwand und die Einsatzzeiten für Maschinen sind jedoch merklich höher als bei höher mechanisierten Verfahren. Die Bearbeitung von Mehrfachlängen oder ganzen Stämmen ist je nach Standort und Bestand deutlich schwieriger zu bewerten. Je länger die Sortimentslänge, desto besser muss auf einen pfleglichen Zuzug der Sortimente geachtet werden. Im Baumverfahren – meist in Kombination mit der Aufarbeitung durch Prozessoren – kann unter guten Bedingungen pfleglich gearbeitet werden. Zu bewerten ist dabei aber auch das Faktum, dass Grünäste und Kronenteile mit aus dem Bestand gerückt werden und bei der Aufarbeitung mit Prozessor meist an der Böschungskante zum Liegen kommen. Dem Bestand wird dadurch Nährstoffpotenzial entzogen, was speziell bei Böden mittlerer oder geringer Güte problematisch werden kann. Kleine Missgeschicke, wie eine nicht ganz exakte Fällrichtung oder Ausschlagen des Baumes beim Zuzug, führen zu Schäden am verbleibenden Bestand. Das Befahren sensibler Böden mit schweren Maschinen tut sein Übriges, um das Ergebnis nicht schön aussehen zu lassen. 

Gute Planung als Voraussetzung

Bei der Arbeit im eigenen Wald ist auch eine Tendenz zum „Gärtnerischen“ üblich. Aus Liebe zum eigenen Wald wird schon das eine oder andere Mal ein größerer Aufwand betrieben. Wichtiger ist aber – speziell ab einer gewissen Holzmenge –, dass einer professionellen Planung und Arbeitsausführung höchstes Augenmerk beigemessen wird. 

Gefrorene, trockene Böden sind optimal für die Holzernte

Für jeden Bestand gibt es die perfekte Holzerntemethode und die dazu passende optimale Maschine. Aufbauend auf die Entscheidung der Methode und der Maschine, beeinflussen die Jahreszeit und das aktuelle Wetter die Qualität der Holzernte. Schönes Wetter im Winter mit gefrorenen Böden ist eine optimale Bedingung für eine erfolgreiche und schonende Holzernte. 

Schlechtwetterperioden in der Saftzeit und der Einsatz schwerer Fahrzeuge auf tiefgründigen Böden sind denkbar schlechte Voraussetzungen für eine vorbildliche Umsetzung von Ernteeinsätzen. Der Kompromiss zwischen den besten und den schlechtesten Bedingungen wird den forstlichen Alltag dominieren. Das richtige Holzernteverfahren, eine der Situation angepasste Forstmaschine, gut ausgebildetes Personal und eine sorgfältige Planung sollten zu Ergebnissen führen, mit denen auch unsere Nachkommen viel Freude haben werden.