Eva und Ihr Paradies

Ein Artikel von Barbara Schuss | 01.10.2020 - 13:13
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Diese Fläche wurde durch den Orkan Kyrill im Jänner 2007 vollkommen zerstört. Der Bestand war 120 Jahre alt. Aufgeforstet wurde hier mit Fichten, die zu diesem Zeitpunkt vier Jahre alt waren. Der Jungwuchs ist jetzt 17 Jahre alt und wurde alle zwei Jahre gegen Wildverbiss gestrichen © Barbara Schuss

Der Forstbetrieb Buchebnerreith befindet sich im Talkessel des Weißenbaches, eines Nebenflusses der Steyr, ist 228 ha groß und erstreckt sich über eine Höhenlage von 780 bis 1420 Metern Seehöhe. Er ist im Besitz von Eva Prenninger und wird von ihr und Ehemann Martin, der selbstständiger Forstwirtschaftsmeister ist, bewirtschaftet. Auf der Betriebsfläche stehen ein Wohnhaus, ein Ferienhaus, ein Heiz- und Garagengebäude sowie ein Stallgebäude.

Der Besitz setzte sich ursprünglich aus zwei verschiedenen Niederalmen von zwei „vorderstöderer“ Bauern zusammen, als er von Evas Vorfahren erworben wurde. Die Grundmauern der Wohngebäude sind immer noch die der Almhütten. Die Großeltern haben in den Sechzigerjahren die Gebäude aufgestockt. Als einzige Tochter und Enkeltochter war es der Wunsch ihrer Großeltern, denen der Besitz gehörte, dass sie den „Buchebnerreith“ eines Tages übernehmen wird. Und Eva hat diese Herausforderung im jungen Alter von 20 Jahren mit viel Idealismus, Stolz und Freude angenommen. Dass die Waldarbeit auch ihre Schattenseiten hat, war ihr damals weniger bewusst. 

Waldarbeit ist Familiensache

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Der Wunsch der Großeltern war es, dass sie den Besitz eines Tages übernimmt © Barbara Schuss

Auf die Gesamtfläche von 228 ha entfallen 213 ha Wirtschaftswald und 15 ha Wiesen, die das Heu für die Wildfütterung liefern. Die Waldflächen werden zu 80 % in Wirtschaftswald und zu 20 % in Schutzwald im Ertrag unterteilt. Aufgrund der Windwürfe der vergangenen Jahre hat sich der Hiebsatz deutlich reduziert. „Bei uns sind Windwürfe die häufigsten Kalamitätsursachen. Waldhygiene wird sehr ernst genommen. Bei der Suche nach Käfernestern sind wir sehr gewissenhaft. Die Bestände werden von uns und dem Bezirksförster regelmäßig kontrolliert. Wenn wir etwas entdecken, wird es sofort aufgearbeitet und verführt“, berichtet Martin Prenninger. Sorge und Ärger bereitet den beiden die derzeitige Situation am Holzmarkt: „Unser rechtzeitig aufgearbeitetes Holz lag abfuhrbereit an der Straße und wurde aufgrund von Abfuhrsperren und Importen aus Tschechien nicht angenommen, wodurch sich die Qualität von Tag zu Tag verschlechterte. Die Ungewissheit über den Abfuhrzeitpunkt macht mürbe. Soll man neue Käufer suchen, das Holz selber verwerten oder um die Errichtung eines Nasslagers ansuchen?“, erklärt Eva Prenninger die angespannte Lage. Auf die Baumartenwahl bei Aufforstungen hatte der Klimawandel bisher wenig Einfluss. Man vertraute auf die Seehöhe des Betriebes. Nun werden auf ausgewählten Flächen auch Laubhölzer beigemischt. „Ich habe immer geglaubt, wir haben aufgrund der Seehöhe unseres Besitzes noch ganz lang Zeit. Aber das stimmt nicht. Auch bei uns wird es immer trockener. Letztes Jahr war das Gras auf der großen Wiese vorm Haus ganz braun. Das habe ich noch nie erlebt. Und ich habe den Eindruck, dass die Pflanzen einige Jahre brauchen, um sich von diesem Trockenstress zu erholen“, erzählt Eva Prenninger.

Freud und Leid der Eigenjagd

Neben der Hauptwildart, dem Rotwild, kommen auf der Betriebsfläche Reh- und Gamswild als Wechselwild vor. Bis zum Jahr 2023 werden die Abschüsse der knapp 230 ha umfassenden Eigenjagd an ein Jagdkonsortium vergeben. Die Abschussnehmer haben die angrenzenden 750 ha, die im Besitz der Österreichischen Bundesforste sind, dazugepachtet. Zur Instandhaltung und Entwicklung der jagdlichen Infrastruktur, wie Rot- und Rehwildfütterung, Schneeräumung und Wegerhaltung ist die Familie der Grundbesitzerin vertraglich verpflichtet. Die Verbissschäden halten sich in Grenzen, seit der Abschuss erhöht und verlässlich erfüllt wird, das Wild auf regelmäßige Fütterung vertrauen kann und die Zusammensetzung der Futtermittel wiederkäuergerecht ist. Im Sommer ist der Wildstand sehr niedrig, da sich das Wild in die Hochlagen des Toten Gebirges zurückzieht. Zur Zeit der Hirschbrunft zieht das Rotwild wieder herunter, um sich auf der großen Wiese vor dem Hof zu versammeln, die ein sehr beliebter Brunftplatz ist. Ein großes Problem ist jedoch die Beunruhigung, die durch den steigenden Winter- und Sommertourismus entstanden ist. Canyoning-Gruppen haben vor wenigen Jahren in einem abgelegenen Revierteil der ÖBf einen Bach mit einem Wasserfall entdeckt und die Routen mittels eines GPS-Trackers ins Internet gestellt. Nun dringen Menschen auf Flächen vor, die früher ausschließlich dem Wild vorbehalten waren.

Mehrere Standbeine

Das Einkommen der Familie besteht vorwiegend aus Erlösen aus dem Holzverkauf. Aufgrund der derzeitigen Situation auf dem Holzmarkt und der immer häufiger auftretenden Kalamitäten haben sie das Glück, auf zusätzliche Einnahmequellen aus ihrem Betrieb zurückgreifen zu können. Neben der Vermietung der Ferienwohnungen und den Einnahmen aus der Jagd hat sich Eva Prenninger in der Region einen Namen als ausgebildete Jagd- und Waldpädagogin gemacht. Seit 2017 bietet sie in ihrer hofeigenen Waldschule wöchentlich Führungen für Schulkinder und Gäste an. Die Wald- und Jagdpädagogik will den Kindern nicht auf der Schulbank, sondern mitten im Wald die Zusammenhänge in der Natur auf spielerische Weise erforschen und entdecken lassen. Durch die unmittelbare Begegnung mit dem Wald und seinen Bewohnern soll das Verständnis für den Schutz und die Pflege des Waldes gefördert werden. Die Liebe zur Umwelt und die Achtung vor ihr sollen in den Kindern und Erwachsenen erweckt werden. Durch Fleiß und kluges Wirtschaften ihrer Besitzerin steht das Buchebnerreith auf soliden Beinen und scheint für die Zukunft gut gerüstet zu sein. Dennoch sinniert Eva Prenninger am Ende unseres Besuchs: „Früher hatte ich viele Wünsche. Heute nur mehr den, dass der Besitz trotz aller Herausforderungen, die ein Waldbauer zu meistern hat, erhalten werden kann und der Betrieb eines Tages von meinem Sohn übernommen wird.“

Forstbetrieb Buchebnerreith (780-1420 m)

Gesamtfläche 228 ha, davon 213 ha Wirtschaftswald: 80 % Wirtschaftswald, 20 % Schutzwald im Ertrag, 15 ha Wiesen
Wegedichte: 31 lfm/ha
Durchschnittsvorrat: 314 Vfm/ha
Jahreseinschlag: 300-500 Efm
Baumarten: Fichte (83 %), Lärche (5 %), Buche (4 %), geringe Anteile von Tanne, Kiefer, Bergahorn und Esche
Besitzgrenzen: 60 % ÖBf, 30 % Herzog von Württembergische Forstverwaltung, 10 % bäuerliche Waldbesitzer

Waldschule Buchebnerreith: www.jagdundwaldpädagogik.at 

Almurlaub Buchebnerreith: www.buchebnerreith.at