Sonnenholz in der Mondhütte

Ein Artikel von Elisabeth Feichter | 30.09.2019 - 08:26

Wie sich eine Bauernfamilie an standörtliche Gegebenheiten anpasst und eine Brücke zum Zeitgeist schlägt, zeigt das Beispiel des Lilienhofs in der Buckligen Welt. Familie Edith (48 Jahre) und Josef (49 Jahre) Lechner bauen ihr Einkommen auf drei Standbeinen auf: Hackgut und Brennholz (seit 1986) sowie Bio-Jungrindfleisch (seit 1994). Dabei wird großer Wert auf Energieressourcen und kurze Wege gelegt. Das Holz kommt aus dem eigenen PEFC-zertifizierten Wald, die Weiterverarbeitung erfolgt in der eigenen energieautarken Anlage. Das angebotene Bio-Jungrindfleisch wird selbst gezüchtet, nach etwa 12 Monaten im eigenen Schlachtraum verarbeitet und direkt vermarktet. „Zur Aufrechterhaltung des Betriebes bin ich auf meine Familienmitglieder angewiesen“, erklärte Vater Josef, der von seiner Familie Seppi genannt wird. Er hat den Hof 1994 übernommen. Sohn Josef (23 Jahre) ist Förster, teilangestellt im Forstbetrieb Mariensee und zusätzlich für den Wald am Lilienhof verantwortlich. Er wird den Lilienhof übernehmen. Tochter Kristina (21 Jahre) ist Kindergartenpädagogin und hilft überall mit, wo sie gerade gebraucht wird. Auch Opa Josef (85 Jahre) erfüllt noch einfache Aufgaben – er habe 20 Jahre lang Brennholz mit der Hand gemacht. Familie Lechner bewirtschaftet 63 ha Wald und 31 ha Grünland, alles ist arrondiert. Die höchste Erhebung ist der Gsollberg mit knapp 800 m Seehöhe. 

Trocknungsanlage muss autark laufen

Bei unserem Besuch zeigte Seppi sogleich die jüngste Investition am Hof: eine energieautarke Trocknungsanlage für Brennholz und Hackschnitzel. Sie ging Anfang 2019 in Betrieb. Die Halle für die Holz- und Hackschnitzelaufbereitung sowie Lagerung ist aus anschaulichem Lärchenrundholz gebaut, natürlich mondgeschlägert und aus dem eigenen Wald. Jeder Lärchenstamm trägt eine Namensplankette. „Das ist der Name von dem, der den Stamm entrindet hat“, gab Kristina stolz preis. Ihr Name war recht häufig zu finden. Unter der Halle befinden sich Luftschächte, die der Holztrocknung mit Solarenergie dienen. Am Dach des angrenzenden Wirtschaftsgebäudes sind die Kollektoren angebracht. Vier Ventilatoren transportieren die trocken-heiße Luft vom Kollektor zur Halle. Die thermische Solarleistung liegt bei 400 kWh pro Tag, gleichzeitig wird der Strom für die Ventilatoren erzeugt. „Im Durchschnitt ist die Temperatur in der Anlage um 10°C wärmer als die Umgebung“, stellte Seppi fest. Die Trocknungsmenge pro Charge beträgt bei Hackgut 2 x 40 m3 und bei Brennholz 2 x 60 m3. Vorher wurden die Meterbloche bis zu zwei Jahren in der Sonne getrocknet. Mit der neuen Anlage erfolge diese in drei bis fünf Wochen und das Brennholz könne noch im selben Jahr an Endkunden geliefert werden, hieß es. „Das Wichtigste für uns war, dass die Trocknungsanlage absolut energieautark läuft“, verdeutlichte der Familienvater und erklärte, dass sie alles selbst geplant haben. Die Anlage ist laut Seppi einmalig in Österreich und wurde von Cona Solar aus Oberösterreich umgesetzt. Die Idee stamme von Heutrocknungsanlagen. Nach 10 Jahren solle sich die Investition amortisiert haben. Bei der Errichtung waren jedoch unzählige Stunden an Eigenleistung dabei, gab Seppi zu bedenken. 

Hackgut wird bei Familie Lechner hauptsächlich für den Eigenbedarf produziert. Sie haben jedoch ein Lager mit 250 m3 und verkaufen an die 500 m3 pro Jahr. 

Das Liri-Scheit´l

Seit Jänner 2019 ist zudem ein neuer Schneidspalter, ein SpaltFix K-650 Vario von Posch, in Betrieb. Zuvor wurde von März bis Juli mit der Hand Brennholz gespalten. Diese Arbeit wird nun teilautomatisch erledigt. Familie Lechner führte uns den Arbeitsgang vor. Holzstämme bis zu 4 m Länge und 65 cm Durchmesser werden mit dem Hoftrack auf ein Förderband gelegt und in der Sägeeinheit auf 20-50 cm lange Räder gekürzt. Im nächsten Arbeitsschritt werden mit einem x-förmigen Spaltmesser exakt 4-eckige Scheithölzer gespalten. „Mit der Maschine schafft ein Mann 4 bis 6 Schüttraummeter (Srm) pro Stunde“, ergänzte Seppi die Vorführung. Der Lilienhof kann seine Produktion von 250 auf 500 Rm pro Jahr erhöhen.

Mit einem Buchenscheit in der Hand erklärte der Familienvater, was ihr „Liri-Scheit´l“ ausmacht: „Die Scheite sind gleichmäßig 4-kantig, PEFC-zertifiziert und kommen aus der Region.“ Mit einem Anemometer maßen Josef jun. und Seppi die Luftgeschwindigkeit im Scheiterhaufen, lasen 0,23 m/sec und nickten zufrieden. Dann wurde die Holzfeuchtigkeit eines Scheits gemessen und Josef erklärte: „Wenn die Holzfeuchtigkeit im Inneren unter 25 % liegt, hat es außen ohnehin schon an die 12 % und kann aus der Trocknungsanlage genommen werden.“ Im Umkreis von etwa 40  km stellt Lechner Brennholz mit dem Traktor zu.

Junge Kompetenz im Wald

Im Zuge seiner Abschlussarbeit in der Försterschule Bruck/Mur verfasste Josef jun. einen Waldwirtschaftsplan bis 2024 für den Lilienhof. „Wir haben viel Laubholz“, so Josef. Derzeit stocken 39 % Buchen, 21 % Fichten, 19 % Lärchen und 12 % Kiefern in ihrem Wald. Alte Buchen dominieren im Bestand. Einige gekennzeichnete Eiben waren auch zu sehen, die seien für den Naturschutz, hieß es. Die meisten Bäume seien zwischen 60 und 80 Jahre alt. An die 450 Festmeter werden jährlich regulär genutzt. Das waldbauliche Ziel sei jedoch nicht die Brennholzproduktion, sondern die Förderung von Lärchen, Kiefern und Fichten. Auch Laubhölzer, wie Ahorne oder Schwarznuss, wurden aufgeforstet. Buchen verjüngen sich ohnehin sehr gut und ohne jetzt Brennholz zu produzieren, falle genügend davon an, gab Josef zu verstehen. Die alten Buchen im Bestand seien nicht wertholztauglich und haben starke Äste. Bereits zu Maria Theresias Zeiten wurde der „Ofenbacher Buchenwald“ dokumentiert. Diese Baumart habe dort optimale Wuchsbedingungen.

Waldarbeit in der Winterzeit

Zwischen Oktober und März werden bei Familie Lechner Schlägerungsarbeiten gemacht. Das meiste machen Seppi jun. und Josef mit dem Traktor und einer Seilwinde. Solange es die Gegebenheiten erlauben, werden Einzelstammnutzungen gemacht. „Wir haben eine hohe Planungssicherheit. Bei uns ist selten viel Schnee und wir haben keine nennenswerten Borkenkäfer-Probleme“, teilte Josef mit. Außerdem ist der Junior ständig am Kontrollieren der eigenen sowie umliegenden Bestände und kann bei einem Borkenkäferbefall sofort reagieren. Die Waldeigentümer beklagen auch wenig Wildeinfluss. Aufforstungen und Tannen-Naturverjüngungen werden verstrichen oder gespritzt. Einzig das Schwarzwild verursacht Schäden, jedoch vorwiegend in der Landwirtschaft. Seppi dachte zeitweise schon, dass alle Sauen in Thernberg daheim seien. 

Die Böse „Irlisch“

Eine wahre Herausforderung in der Waldbewirtschaftung erwähnt Josef jun. den sogenannten „Irlisch“, bekannt als Waldrebe. Sobald der Waldboden Licht bekommt, dominiert diese Pflanze, schlingt sich um Wirtschaftsbaumarten und zieht deren Wipfel runter. Bis zu 30 m Höhe wachse die Waldrebe hinauf, verdeutlichte Josef das Problem. Er muss mindestens ein Mal pro Jahr durchgehen und der Pflanze den Saftstrom unterbrechen. „Am besten an den Hundstagen. Wenn wir nicht dahinter sind, kommt keine Naturverjüngung auf“, ergänzte der Vater. 

2019 veranstaltete der Lilienhof mit weiteren lokalen Betrieben einen Tag der offenen Tür. An die 300 Besucher wurden gezählt. Auf Anfrage empfängt Familie Lechner immer wieder Exkursionsgruppen. Ideen haben Seppi, Josef jun., Edith und Kristina noch viele, doch jetzt wollen sie einmal die neue Brennholz-Aufbereitung fertig austüfteln.