Gemeinsam durch dick und dünn

Ein Artikel von Thomas Buchhäusl | 30.11.2018 - 16:04

Es ist einer dieser goldenen Tage im Oktober mit einem Himmel in klarem Blau, angenehm warmen Sonnenstrahlen und gelben Lärchen. Gerade die stechen markant aus den Fichten hervor, wenn man im Herbst durch „die Gaal“ in der Steiermark fährt. 

Das in den Niederen Tauern gelegene Gebiet beginnt in den Tallagen bei rund 750 Metern Seehöhe, endet am 2.417 Meter hohen Geierhaupt und ist ein Paradies für Bergwanderer und Jäger. Dem forstlich Interessierten fallen sofort die gute Waldausstattung und auch die steilen Hänge auf. Die Gemeinde Gaal besteht fast zu 63 % aus Wald und vor allem auf sonnseitigen Standorten sind Hangneigungen zwischen 60 und 90 % eher die Regel als die Ausnahme. 

Die ersten Überlegungen

„Angefangen hat alles vor gut 20 Jahren, als bei meinem Nachbarn ein Savall-Seilgerät im Einsatz war. Ich habe mir damals gedacht, dass das auch für mich interessant wäre. Doch zahlte sich für mich alleine so eine Anschaffung nicht aus“, erzählt Fritz Göttfried rückblickend. Auf der Heimfahrt von der Austrofoma kam er mit Matthias Sonnleitner über die Vorteile und Möglichkeiten einer eigenen Seilbahn ins Gespräch. Matthias, der ebenso wie Fritz ein engagierter Waldbauer ist, war sofort begeistert: „Damit könnte man sich die händische Lieferung zur Waldstraße ersparen.“ Zu zweit kaufte man also ein gebrauchtes Savall-Seilgerät. 

Doch damit nicht genug. Bereits 2001 wurde ein Koller-Laufwagen angeschafft. Das war die Gelegenheit für Peter Gruber, sich in das Gespann einzukaufen. „Wir dachten uns, aller guten Dinge sind drei. Einer mehr bei der Arbeit im Bestand und der Instandhaltung der Maschine“, lässt Matthias wissen. Reparaturen sind ein wichtiges Thema geblieben. 2010 kaufte man einen gebrauchten Königswieser KMB Kippmast-Seilkran. Das allerdings bereits zu viert. Norbert Prutti kam dazu und meint schmunzelnd: „Die haben einfach einen guten Mechaniker gebraucht. Deshalb haben sie mich mitmachen lassen.“

Der Kippmast-Seilkran wurde mit viel Herzblut saniert und adaptiert, hatte aber einen entscheidenden Nachteil. „Zum Ausformen der Sortimente musste extra ein Prozessor kommen. Für Kleinmengen um die 30 Festmeter konnte man keinen Schlägerungsunternehmer dafür begeistern, uns seine Maschine zu schicken“, schildert Matthias die Situation vor 2017. Daraufhin wurde der Königswieser KMB gegen einen Wanderfalken mit einem Woody50-Prozessorkopf ausgetauscht.

Das Quartett war komplett

Die so entstandene private „Holzbringungsgemeinschaft“ der Gaaler Waldbauern erledigt jährlich 2.500 Festmeter Einschlag – und das ausschließlich in den eigenen Wäldern. Jeder der vier hat einen Betrieb in Eigenjagdgröße, der von den Vorgenerationen als klassischer Altersklassenwald bewirtschaftet wurde. Auch bei den waldbaulichen Vorstellungen ziehen die vier an einem Strang. 

„Wir stellen unsere Bestände auf Naturverjüngung um. Da braucht man ein gutes Gespür für den Standort“, erklärt Matthias. Peter stimmt ihm zu: „Die Grundlage dafür schaffen wir in den ehemaligen Altersklassenbeständen durch entsprechende Durchforstungseingriffe. Gerade in Steillagen ist das mit einem großen Aufwand verbunden.“ Das Bestreben der Waldbesitzer ist es, eine dauerwaldähnliche Betriebsstruktur zu schaffen, die weniger anfällig gegenüber Sturmereignissen und Borkenkäferbefall ist. 

Borkenkäfer fliegen bis 1.400 Meter Seehöhe

Besonders der Borkenkäfer taucht in der Gaal bereits auf 1.400 Metern Seehöhe auf und verursacht große Schäden. Die Hiebsreife der Bäume im Endbestand wird über die Zielstärke definiert. Stämme mit Brusthöhendurchmessern von über 45 cm werden im Zuge von Einzelstammentnahmen geerntet. Die Bestände werden hierfür mit zwei bis drei Durchforstungseingriffen vorbereitet, um die Konkurrenzsituation und die Lichtverhältnisse am Standort entsprechend zu steuern. 

„Frühere Altersklassenbestände mit schlechten H/D-Verhältnissen müssen vorsichtig, dafür öfter durchforstet werden. Gerade für Erstdurchforstungen im Seilgelände ist unsere Maschinenkombination ideal“, freut sich Fritz. Gearbeitet wird immer gemeinsam. „Derjenige, dem die Fläche gehört, schneidet vor. Schließlich hat jeder bei der Auszeige seine Präferenzen und einen individuellen Blick auf den Bestand. Die anderen wechseln sich in regelmäßigen Abständen ab, damit am Ende des Tages jeder gleich müde ist.“ 

Biomasse bleibt im Bestand

Gearbeitet wird großteils im Baumverfahren. Allerdings wird im Bestand abgezopft. „Wir verzichten auf das Waldhackgut und lassen die Biomasse lieber im Bestand. Auf lange Sicht ist das für den Waldboden besser“, ist Norbert überzeugt. Das Seilgerät läuft rund 800 Stunden im Jahr. Überstellzeiten sind kein Thema, da die vier Betriebe in unmittelbarer Nähe zueinander sind. Vermarktet wird das gesamte Rundholz über die Waldwirtschaftsgemeinschaft Gaal. Norbert: „Wir sind stolz darauf, eine eigenständige WWG zu haben, die vom Waldverband unabhängig ist. Die Abwicklung des Holzabsatzes funktioniert bei uns ausgezeichnet.“ Die einzelnen Blochholzsortimente gehen an Sägewerke aus der Region und für die Industrieholzabnahme gibt es das Zellstoffwerk in Pöls fast vor der Haustür.

Gut aus- und weitergebildet

Als ambitionierte Waldbauern sind die vier aber nicht nur über die Lage am Rundholzmarkt immer informiert, sondern machen auch jährlich eine mehrtägige Weiterbildungsreise. „Für uns ist es interessant zu sehen, was andere Waldbewirtschafter machen. Wir wollen über den Tellerrand schauen und uns Anregungen für unsere eigenen Betriebe holen“, sagt Peter. Diese internen Lehrfahrten führten die Gaaler unter anderem schon in die Wälder des Stiftes Schlägl oder zu den Bayerischen Saalforsten. Man spürt bei den vieren, dass die Gemeinschaft passt. „Unsere Kooperation funktioniert seit über 20 Jahren – und das ohne schriftlichen Vertrag“, zeigt Matthias seine Freude über die Partnerschaft. Auf dem Lkw steht „GGSP“ für Gruber, Göttfried, Sonnleitner und Prutti. Es könnte aber ebenso für Gute Gemeinschaft, Spaß und Professionalität stehen.