Archaisch inspiriert

Ein Artikel von Elisabeth Feichter | 02.12.2019 - 16:00

Der Waldbauer: Welchen Bezug haben Sie zum Wald, zur Forstwirtschaft oder Jagd?

Ulrich Seidl: Ich bin in Horn im Waldviertel aufgewachsen, somit bedeutet der Wald für mich in einem gewissen Sinne auch Herkunft und Heimat. Die Jagd hat mich schon immer interessiert und fasziniert, weil „auf die Jagd zu gehen“ ein elementares Bedürfnis der Spezies „Mann“ ist.

Haben Sie in Ihren Filmen oder Büchern einen Bezug zum Wald? Inspiriert er Sie?

Nein, es besteht kein unmittelbarer Bezug zum Wald. Aber die Natur als solche in ihren unterschiedlichsten Stimmungen, Farben und Jahreszeiten spielt in vielen meiner Filme eine wichtige Rolle.

In welcher Form nutzen Sie die Natur oder Wälder?

Der Wald ist mein Erholungsraum. Durch den Wald zu gehen, heißt für mich Entspannung, loslassen können, Gedankenfreiheit und Kreativität.

Woran denken Sie, wenn Sie durch den Wald gehen?

Ich möchte an nichts Bestimmtes denken. Der Wald ist für mich ein Ort, um den Gedanken freien Lauf zu lassen. Das ist manchmal beglückend und manchmal beängstigend.

Welche Bedeutung hat der Wald für Sie persönlich?

Der Wald ist mein Lebenselixier.

Mögen Sie den Rohstoff Holz und Holzprodukte?

Ja, sehr. Ich mag den Geruch und ich greife Holz auch gerne an. Von allen Rohstoffen erscheint mir „Holz“ dem Menschen am nächsten zu sein.

Haben Sie selbst ein Jagderlebnis?

Ich habe für meinen Film „Safari“ viel „unter Jägern“ in Österreich wie auch in Afrika recherchiert und bin auf Jagden mitgegangen. Selber habe ich nie gejagt.

Was bezeichnen Sie als den größten Erfolg in Ihrem Leben?

Dass es mir gelungen ist, beruflich den Weg zu gehen, den ich gehen wollte.

Haben Sie eine Botschaft an Österreichs Waldbesitzer?

Der Wald wird viel zu sehr als kommerzielles Produkt angesehen und als solches in einem Übermaß ausgenutzt. Die Folgen daraus sind weitgehend sichtbar. Diese über Jahrzehnte betriebene brutale Waldwirtschaft und Ausnutzung für das schnelle Geld zählen letztendlich auch zu den Ursachen dafür, dass die Wälder nun kränkeln und riesige Flächen gerodet werden müssen. Ich fahre oder gehe übers Land und erkenne mancherorts mein Waldviertel nicht mehr. Selbst dort verschwinden ganze Wälder über Nacht. Das macht mir Angst und sollte jedem von uns Angst machen.