Vom Industriellen zum Bauern

Ein Artikel von Elisabeth Feichter | 13.06.2019 - 14:06
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Norbert Zimmermann, Hauptaktionär und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Berndorf AG © Wolfgang Simlinger

Der Waldbauer: Womit bringt der Österreicher die Marke „Berndorf“ am ehesten in Verbindung?

Norbert Zimmermann: Das Besteck von Berndorf ist unser sichtbarstes Produkt, wobei es nur einen einstelligen Umsatzanteil einnimmt. Vor 170 Jahren hat das Unternehmen mit der Besteckherstellung begonnen und das ist zu einer emotionellen Aufgabe geworden. 

Gibt es Überschneidungen mit der Forst- oder Holzbranche und Ihrem Metallbearbeitungskonzern?

Im weiteren Sinne schon. Wir sind in Österreich führender Hersteller von Stahlbändern für Spanplattenpressen und beliefern beispielsweise Fritz Egger Holzwerkstoffe und Kaindl. 

Sie sind mittlerweile im Ruhestand, haben mit 70 Reiten gelernt und sich vor ein paar Jahren entschieden, Waldbauer in Kolumbien zu werden. Wie kam es dazu?

Solange du dich neu erfindest, lebst du! Ich mache vieles aus Neugier und wollte etwas Uriges machen. Mit einem kolumbianischen Kollegen, der vor 40 Jahren nach Österreich kam, entstand die Idee. Wir kauften 2012 etwa 8.000 ha Savanne, um dort Akazien, Pinien, Eukalyptus und Kautschuk zu pflanzen. 

Welche Erkenntnisse brachte Ihr Aufforstungsprojekt und können Sie den österreichischen Waldbauern etwas davon mitgeben?

In unserem Projekt „Austriacus“ wurden bis dato etwa 1 Mio. Bäume gesetzt. Kolumbien hat ideale Wachstumsvoraussetzungen, denn die Natur produziert Tag und Nacht, jahrein, jahraus. Unsere Akazien sind nach 5 bis 7 Jahren bis zu 14 m hoch und weisen teils 50 cm Umfang auf. Der Kautschuk ist beispielsweise 2020 schon erntereif. Wir bewirtschaften alles mit Traktoren, es gibt keine steilen Hänge, Lawinen oder Stürme. In Österreich ist die Waldbewirtschaftung viel schwieriger und es ist ein völlig unterschiedlicher Waldzugang. Wer jedoch mit der Natur arbeitet, lernt, geduldig zu sein.

Was haben Sie mit dem Wald einmal vor?

Die erste Holzernte wird in zwei Jahren sein, Abnehmer werden noch sondiert. Ich sehe das als Generationenprojekt und hoffe, dass meine Enkel einmal Freude damit haben werden. 

Was war Ihr größter persönlicher Erfolg?

Ich bin mit meiner Frau schon 50 Jahre zusammen und habe eine tüchtige Tochter. Als ich 1988 nach Berndorf kam, war ich mit der Firmensanierung beauftragt und nicht gerade willkommen, es gab sogar Demonstrationen gegen mich. 30 Jahre später, anlässlich meines 60. Geburtstages, überreichte mir der Betriebsrat Demo-Utensilien als symbolisches Vertrauensgeschenk. Vom unwillkommenen Menschen zum Ehrenbürger der Stadtgemeinde – das war mein größter beruflicher Erfolg.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Ein Drittel sind Ausbildung und Können, dazu gehören Fleiß, Glück und eine Persönlichkeit mit Rückgrat.

Jeder Waldbauer ist auch ein Unternehmer. Was gehört Ihrer Meinung nach zu einem erfolgreich geführten Unternehmen?

Wenn jemand eine gute Idee hat und daran glaubt, muss man dranbleiben und hartnäckig sein. Es gibt immer Rückschläge, doch dann heißt es, durchhalten und an den Erfolg glauben.