Naturbursche auf Samtpfoten

Ein Artikel von Elisabeth Feichter | 30.11.2018 - 16:29

Der Waldbauer: Wenn du heute auf deine sportlichen Erfolge zurückblickst, würdest du deine bäuerliche Herkunft damit in Verbindung bringen?

Fritz Strobl: Auf alle Fälle! Schon im Kindesalter durfte oder musste ich zu Hause mitanpacken. Aufgewachsen am Bauernhof und mit der Natur eng verbunden, habe ich gelernt, in meinen Körper hineinzuhorchen. 

Warum hast du dich entschieden, zurück zum elterlichen Hof zu gehen? 

Eigentlich war mein Hauptwohnsitz immer in Gerlamoos. In meiner aktiven Zeit als Skirennläufer, während meiner Polizeiausbildung und durch die Nähe zum Olympiazentrum Rif wohnte ich mit meiner Familie in Adnet. Als aber meine Mutter an Krebs erkrankte und im Sommer 2007 verstarb, entschieden wir (mehr oder weniger – ich), wieder nach Kärnten zurückzugehen. Verkaufen oder verpachten wollten wir nicht. Außerdem haben mir meine Eltern mit der Arbeit am Hof den Einstieg in den Skizirkus ermöglicht. Heute züchten wir Angusrinder.

Welche Bedeutung hat die Waldbewirtschaftung für dich? Gehst du auch selbst Holzschlägern, Aufforsten, Ausschneiden etc.?

Unser Wald ist zum Großteil Schutzwald. Außerdem ist er für mich ein Ort zum Krafttanken. Als Jugendlicher holte ich mir den konditionellen Grundstein bei der Waldarbeit mit meinem Vater. Größere und gefährliche Schlägerungsarbeiten überlasse ich den Profis. Bäume pflanzen, Ausschneiden oder Durchforsten zählen aber zu meinen Aufgaben.

Lassen sich der Bergsport oder der Naturschutz mit der Waldbewirtschaftung vereinen?

Ich meine – ja! Der Wald soll für alle da sein. Wenn sich die Sportler an gewisse Regeln halten, sollten sich Sport und Wald vereinbaren lassen. Am Land ist es vielleicht einfacher als in Stadtnähe. Waldbewirtschaftung und Naturschutz sehe ich etwas kritischer. Meiner Meinung nach sollte Wald gepflegt werden, solange es die Gegebenheiten zulassen. Gebiete, die nicht erschlossen sind, gibt es noch genug.

Was war dein größter persönlicher Erfolg bisher und was bedeutet Erfolg heute für dich?

Das ist sicherlich mein Olympiasieg von Salt Lake City 2002, aber auch mein Streckenrekord am Hahnenkamm mit 1:51,58 Min. erfüllt mich heute noch mit Stolz. Der Skisport war und ist meine Leidenschaft. Erfolg ist für mich wie ein „Mosaik“ – viele Steinchen müssen zusammenpassen. Und nicht jeder Erfolg ist nach außen hin erkennbar, oft sind die kleinen Erfolge wichtiger, denn ohne sie erreicht man die großen nie.

Sind wir jagdlich am richtigen Weg?

Ich bin erst seit 2015 Jäger und lerne immer etwas dazu. „Alles mit Maß und Ziel“, ist für mich ein gutes Motto – nicht nur bei der Jagd. Wir sollten respektvoll mit unseren Schätzen umgehen, das betrifft sowohl den Wald als auch das Wild! Als Rinderzüchter mit Almweide kann ich die Ängste vor dem Wolf nachvollziehen.

Welchen Wald möchtest du deinen Kindern hinterlassen?

Einen möglichst gesunden Mischwald. Es würde mich freuen, wenn meine Kinder auch einmal sagen: „Das sind unsere Bäume, sie wurden von unseren Vorfahren gepflanzt und wir haben das Privileg, sie zu ernten!“