Steiermark

Drei Generationen von Frauen, die im Holzbau zu Hause sind

Ein Artikel von b.gruber für derwaldbauer.at bearbeitet | 24.09.2020 - 12:09
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Holzbau-Meisterin Christine Bachinger-Dengg © Foto Fischer

Christine Bachinger-Dengg wurde als fünfte Tochter in einen Zimmereibetrieb hineingeboren. „Holz war für mich von klein auf ein Begriff und ich habe viel damit gespielt und verschiedene Konstruktionen erschaffen“, erzählt die Holzbau-Meisterin im Ruhestand. Nach dem frühen Tod des Vaters übernahm eine ihrer Schwestern den Betrieb, welchen Bachinger-Dengg dann 15 Jahre mit ihr zusammen führte. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, das war immer schon mein Traum.“ Besonders ansprechend empfindet sie den Geruch des Baustoffes, ebenso wie die Konstruktionen, die     man damit herstellen kann. „Es ist eines der ältesten Handwerke und ich durfte einige schöne, historische Bauwerke kennenlernen und bearbeiten. Vor allem die riesigen Dachstühle von Pfarrhöfen und Kirchen haben es mir dabei angetan“, beschreibt sie ihre anhaltende Faszination für den natürlichen Baustoff. Als Exotin fühlte sie sich in ihrem Beruf nie. „Wir waren 44 Jahre lang ein Frauenbetrieb und stellten drei der damaligen sechs Holzbau-Meisterinnen in der Steiermark“, blickt sie zurück.

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Holzbau-Meisterin Marita Hasler © Foto Fischer

Auch Marita Hasler wurde in einen Holzbaubetrieb hineingeboren. „Ich bin damit aufgewachsen, habe in der Fertigungshalle gespielt oder im Büro Pläne abgepaust“, erzählt die angehende Betriebsleiterin. Schon früh war klar, dass sie die HTL für Bautechnik besuchen werde, am liebsten wäre ihr der Holzbau-Zweig gewesen, doch dieser wurde nicht angeboten. Danach studierte sie Bauingenieurwesen in Graz, absolvierte die Prüfung zur Holzbau-Meisterin und daraufhin jene zur Baumeisterin.

Nach vier Jahren im familiären Betrieb arbeitete sie ebenfalls vier Jahre in München. Nun kehrt sie nach Österreich zurück und wird kommendes Jahr den väterlichen Betrieb übernehmen. „Ich habe es mir ehrlich gesagt schwieriger vorgestellt, in einem vermehrt männlich geprägten Berufsfeld Fuß zu fassen“, resümiert die Steirerin. Unterschiede zwischen der Holz- und der Massivbauweise hinsichtlich der Langlebigkeit oder den Kosten sieht sie heutzutage keine mehr. „Das ist meiner Meinung nach mittlerweile Geschmackssache, entscheidend ist die Qualität der Ausführung.“

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Auszubildende Karoline Pirker © Foto Fischer

Karoline Pirker kam ebenfalls schon im Kindesalter mit dem Baustoff Holz in Berührung. Die Mutter stammt aus einer Tischlerfamilie, der Vater ist Förster. „Ich war früher viel im Wald und habe mitgeholfen“, erzählt die Auszubildende im ersten Lehrjahr. Immer schon hat sie viel mit Holz gespielt, besonders der Geruch und die Konstruktionsmöglichkeiten haben sie dabei fasziniert. „Ich wusste recht früh, dass ich handwerklich arbeiten möchte. Im Büro sitzen ist einfach nichts für mich, ich packe gerne an. Anfangs hatte ich dennoch ein mulmiges Gefühl, wie das auf der Baustelle dann wird“, erzählt Pirker. Sie sei aber gut von den Kollegen aufgenommen worden und fühle sich im Betrieb sehr wohl. „Ich selber würde im altmodischen Stil bauen, vielleicht in Blockbauweise mit sichtbaren Tramen“, beschreibt sie ihr Traumhaus.

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Beim runden Tisch zum Thema „Frauen im Holzbau“ in der Steiermark: Holzbau-Meisterin Marita Hasler, Landesinnungsmeister Oskar Beer, Auszubildende Karoline Pirker sowie Holzbau-Meisterin Christine Bachinger-Dengg (v. l.). © Foto Fischer

Kraft ist nicht entscheidend

Die Frage der körperlichen Kraft ist für alle drei Holzbauerinnen nicht ausschlaggebend. „Ich denke schon, dass die Automatisierung Potenzial hat, weil sie die eine oder andere Erleichterung mitbringt. Entscheidend ist aber die Freude an der Tätigkeit, dann gehen die Arbeiten ganz leicht von der Hand und man träumt in der Nacht von den schönen Werken, die man geschaffen hat“, befindet die passionierte Holzbau-Meisterin Bachinger-Dengg. „Man braucht schon Zeit, bis man eine gewisse Kraft aufbaut – aber bei den schweren Elementen helfen einfach alle zusammen“, wirft Pirker ein. Auch Hasler empfindet die Physis nicht als ausschlaggebendes Kriterium: „Dank Automatisierung und Mechanisierung ist die Kraft heutzutage nicht mehr so ein großer Faktor.“

Für Lehrmeister Neuland

Für Pirkers Ausbilder, Manfred Lemsitzer, war anfangs ungewiss, was auf ihn zukommt. „Das war alles Neuland. Karoline ist mein erstes Lehrmädchen und ich wusste nicht, was ich arbeitsrechtlich beachten und zur Verfügung stellen muss“, erzählt der Holzbau-Meister. „Überzeugt hat mich dann das persönliche Gespräch mit ihr. Wir waren beide positiv eingestellt und haben es einfach versucht. Meine Erfahrung ist sehr gut, ich würde jederzeit wieder eine Auszubildende aufnehmen“, so Lemsitzer. Grundsätzlich sind sich alle einig, dass das Thema „Frauen in technischen Berufen“ noch immer mit Vorurteilen belastet ist. „Zimmerer brauchen ein gutes Vorstellungsvermögen, sollten mathematisch gebildet sein und prinzipiell einen gesunden Hausverstand mitbringen“, erklärt Lemsitzer die Anforderungen unabhängig vom Geschlecht und fügt hinzu: „Alle Mitarbeiter bringen unterschiedliche Fähigkeiten und Talente mit, entsprechend denen man sie einsetzen kann und sollte.“ Lemsitzer und Hasler sind sich einig, dass es mehr Frauen und auch Betriebe mit Interesse gebe – man müsse nur die Vorurteile, dass der Holzbau ein gefährliches und schweres Handwerk sei, aus dem Weg räumen.

„Schlussendlich entscheidend ist dann auch das Betriebsklima“, wirft Landesinnungsmeister Oskar Beer ein und fragt Pirker nach ihrer Erfahrung. „Ich wurde von Beginn an gut aufgenommen. Mit der Zeit kennt man sich untereinander und weiß, wie man einander helfen kann. Ich komme mit allen gut aus und meistere alles“, so die junge Steirerin selbstbewusst.