Expertenmeinung

Über die Zukunft der Fichte

Ein Artikel von Fabian Pöschel, Christoph Hartleitner, Karl Kurath | 07.03.2019 - 15:51
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Containerpflanzen besitzen mehrere Vorteile. Die Wurzeln wurden nie verletzt und sind vitaler. © LIECO

Die Baumartenwahl stellt jetzt die Waldbesitzer vor große Herausforderungen im Waldbau. Es ist unumstritten dass wir uns im Klimawandel befinden und einzelne Baumarten damit besser umgehen können als andere. Mancherorts in Mitteleuropa wird die Fichte an Ihre Grenzen stoßen, das belegen auch aktuelle Käferkalamitäten.
Es gibt Lösungsansätze, um auch in Zukunft mit der Fichte erfolgreich und nachhaltig wirtschaften können.

Fokus auf Ausgangsmaterial
Unsere heutigen Bestände wurden in der Geschichte häufig aus Schneesaaten begründet. Damals gab es noch keine Herkunftsempfehlungen und forstliche Vermehrungsgutgesetze. Vielfach wurde nicht beachtet, aus welcher geologischen und klimatischen Zone das Saatgut kommt. Diese Bestände besitzen aber nach wie vor die Eigenschaften aus dem ursprünglichen Herkunftsgebiet, leiden daher besonders oft unter Trockenstress und sind anfälliger für Borkenkäfer.
Die Wissenschaft kann heute Bestände und Bäume bei Fichte identifizieren, die in trockeneren und wärmeren Jahren deutlich besser wachsen als andere
In Schweden zum Beispiel werden bereits Fichten gezüchtet, die 15% mehr Zuwachs leisten. Weitere Züchtungsziele für die nächsten Saatgutplantagen liegen bei 35% mehr Zuwachs. Das bedeutet geringere Umtriebszeiten und sinkendes Kalamitätsrisiko.

Aktiv bewirtschaften: „Bäume brauchen Platz“
Stabilität beginnt bei der Wurzel. Wissenschaftlich belegt haben LIECO Forst-Containerpflanzen eine bessere Bodenverankerung als herkömmlich gepflanzte Forst-
pflanzen.
Manche Waldbesitzer überlassen nach der Aufforstung die Pflanzen der „Natur“. Nicht nur die oberirdische Konkurrenz ist zu bedenken. Jeder Standort hat ein unterschiedliches Bodenwasserhaltevermögen bzw. ist dieses für Pflanzen nur begrenzt vorhanden. Je dichter die Bäume stehen, umso weniger Wasser ist für den einzelnen Baum verfügbar (Wurzelkonkurrenz).
Daher sind waldbauliche Pflegeeingriffe wie Stammzahlreduktion, Läuterung und Durchforstung für klimafitte Bestände unerlässlich.

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Herkunft und Genetik werden in Zukunft immer wichtiger. © Armin Russold www.foto-freisinger.at

Sinnvolle Baumartenmischung
In tiefen Lagen werden in Zukunft vermehrt Douglasien, Tannen, Lärchen und Eichen gesetzt werden. Baumarten aus anderen Regionen – etwa Roteichen, Zedernarten und Küstentannen – gewinnen auch an Bedeutung.
Mehrere Baumarten verringern bei aktiver Bewirtschaftung das Kalamitätsrisiko. Diese Baumarten werden aber in den nächsten Jahren nicht in ausreichender Stückzahl vorhanden sein, um eine flächendeckende Aufforstung damit gewährleisten zu können.
In höheren Lagen gibt es derzeit keine Alternative zu Fichte und Lärche. Sollte sich das Klima auch weiterhin erwärmen sind die Fröste der limitierende Faktor.

Kundenmeinung sehr wichtig
Um Entwicklungen bestmöglich einschätzen zu können, steht LIECO in engem Kontakt mit Kunden und Partnern. Ziel ist es, Produkte zur Verfügung zu stellen, die einen erhöhten Kundennutzen darstellen.
Wir haben Karl Kurath, Geschäftsführer des Waldverbandes Kärnten, um seine geschätzte Meinung zur aktuellen Situation im Forst gebeten:   

DER WALDBAUER: Mit welchen Auswirkungen auf den Forst rechnen Sie im aktuell stattfindenden Klimawandel und wie kann sich die Forstwirtschaft rüsten?
Mag. Karl Kurath: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Forstwirtschaft werden gravierend sein. Die Reduktion der Stückzahlen pro Hektar – sowohl bei der Bestandesbegründung, als auch bei den ersten Pflegemaßnahmen – wird in den Vordergrund rücken müssen. In diesem Zusammenhang sehe ich sehr gute Chancen für die Fichte und die sonstigen Nadelholzbaumarten. Durch geringere Stückzahlen pro Hektar können wir die ersten Durchforstungseingriffe deutlich nach hinten verschieben und gleichzeitig die Umtriebszeit reduzieren. Wir haben dadurch mehrere Vorteile: Zum einen steht mehr Wasser für weniger Pflanzen zur Verfügung. Zum anderen erfolgt der Eingriff in eine geschlossen Bestandesstruktrur deutlich später und erbringt in der Ernte größere Dimensionen und bessere Deckungsbeiträge.
DER WALDBAUER: Warum setzen Sie noch Fichten in Ihrem Betrieb?
Die Mischbaumarten kommen in sehr vielen Bereichen zusätzlich durch die Naturverjüngung und müssen nicht aufwendig gegen Wildverbiss geschützt werden. Bei der Stammzahlreduktion ergibt sich dadurch eine gute Mischung mit vielen waldbaulichen Auswahlmöglichkeiten. Hier zeigt sich, dass die Fichte in der Jugend sehr wüchsig ist und die Mischbaumarten in den meisten Fällen vor der Fichte „geschützt“ werden müssen.
DER WALDBAUER: Was ist aus Ihrer Sicht notwendig, um in Zukunft erfolgreich mit Fichte zu wirtschaften?
Die deutliche Reduktion der Stückzahlen pro Hektar ist die vordringlichste Aufgabe. Damit gehen spätere Durchforstungen einher. Bei den Durchforstungen ist das Augenmerk auf die Erhaltung des Bestandesinnenklimas zu achten. Bestandesränder müssen möglichst geschlossen gehalten werden, um den Kamineffekt zu reduzieren. Eine deutliche Reduktion der Umtriebszeit ergibt sich danach automatisch. Durch Züchtung und die Auswahl der richtigen Herkunft erhalten wir leistungsfähigere, vitalere und stabilere Wälder.
DER WALDBAUER: Welche Baumarten und Aufforstungsmodelle verwenden Sie bei der Bestandesbegründung und warum?
Wir pflanzen zu 100% Fichte, wo die Naturverjüngung durch Schadereignisse nicht möglich war. Aus Erfahrung kommen die notwendigen Mischbaumarten (Buche und Eiche) auch auf den Kahlflächen in ausreichender Zahl aus der Naturverjüngung, wenn bei der Kulturpflege (ausmähen) die aufkommenden Laubhölzer geschont werden. Selbstredend ist ein angepasster Wildstand dafür Grundvoraussetzung. Aus wirtschaftlicher Sicht gilt mein Motto „Du kannst alles pflanzen, Hauptsache Nadeln hat der Baum“. Wir sind überzeugt, dass die Fichte zukünftig einen hohen Stellenwert in der Forst- und Holzwirtschaft einnehmen wird. Es ist jetzt an der Zeit, dass sich alle in der Wertschöpfungskette Holz Gedanken über diese Baumart machen – für eine erfolgreiche Zukunft